Procter & Gamble
Ein Mann für alle Marken

Von Ariel bis Pampers: Robert McDonald tritt beim Konsumgüter-Riesen Procter & Gamble in die riesigen Fußstapfen seines Vorgängers Alan Lafley

NEW YORK. Gerade mal elf Jahre alt ist Robert McDonald, da schreibt der begeisterte Pfadfinder dem Kongressabgeordneten seines Wahlkreises, einem Mann namens Donald Rumsfeld, einen Brief: „Sehr geehrter Mister Rumsfeld, hiermit bitte ich um eine vorzeitige Aufnahme in die Militärakademie West Point.“

Sechs Jahre muss McDonald zwar noch warten, aber mit 17 marschiert der Frühambitionierte in West Point am New Yorker Hudson River ein, wo die US-Armee ihren Offiziernachwuchs ausbildet. Der Rekrut springt in den 70er-Jahren aus Flugzeugen, um sein Monatssalär von 300 Dollar aufzubessern. Er dient sich zum Captain der 82. Airborne Division hoch und wird zum Verfechter elitärer und eherner Werte: „West Point hat mich gelehrt, dass die wichtigste Eigenschaft einer Führungskraft der Charakter ist“, hat er einst gesagt. Dafür brauche es „Mut, Entschlossenheit, Anstand und Selbstdisziplin“.

So wie beim Militär in West Point. Dort legt der Ehrenkodex seit eh und je fest: „Ein Kadett lügt, betrügt oder stiehlt nicht und toleriert dies auch nicht bei anderen.“

Ehre und Strenge, das klingt durch und durch amerikanisch, zehn Jahre hat McDonald seinem Vaterland in Uniform gedient. Doch anders als so viele US-Manager hat der 55-Jährige viel mehr als nur sein eigenes Land im Blick. Spricht er über japanische Kultur, über linksgerichtete Politiker in Argentinien oder warnt vor aufstrebenden Unternehmen aus China und Korea, hebt er sich wohltuend ab von der US-zentrierten Sicht vieler seiner Kollegen: „Wir brauchen globale Manager, die in Japan, Indien oder China genauso erfolgreich arbeiten können wie auf dem Heimatmarkt“, sagte McDonald 2008 in einem Handelsblatt-Interview.

Nun wird Robert McDonald neuer Vorstandschef des Konsumgüter-Riesen Procter & Gamble (P&G) – auch deshalb, weil er schon auf nahezu allen Kontinenten gelebt und gearbeitet hat: mal auf den Philippinen, viele Jahre in Japan, am Anfang in Kanada, später in Belgien. Jetzt steht er auf einer Bühne in der Konzernzentrale in Cincinnati, hinter ihm leuchten bekannte Haushaltsnamen auf: Gillette, Ariel, Pampers, Duracell – alles Marken von P&G. Zehntausende Menschen aus aller Welt sind zugeschaltet, 138000 Mitarbeiter hat der künftige Konzernchef. Die Krawatte hat McDonald im Schrank gelassen, zum schwarzen Anzug trägt er ein braungestreiftes Hemd, man ist ja unter sich: „Ich bin vor 30 Jahren zu P&G gekommen“, sagt McDonald, „weil ich mit Menschen zusammenarbeiten wollte, die von einem höheren Ziel motiviert werden – von der Idee, Leben zu verbessern. Das war immer auch meine Motivation, schon als Pfadfinder oder später in der Armee.“ Der Mann mit den kurzen schwarzen Haaren und der hohen Stirn spricht leise, fast demütig, als spüre er die Last der Verantwortung – und die großen Fußstapfen seines Vorgängers.

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