Procter & Gamble Neue Besen kehren anders

Fast ein Jahr hielt sich der neue Chef von Procter & Gamble zurück. Jetzt tritt er mit guten Zahlen vor. Seine Philosophie: Zurückhaltung statt Auftrumpfen. Jetzt stellt das Unternehmen gar seine Facebook-Anzeigenstrategie in Frage.
Update: 15.08.2016 - 21:54 Uhr
Procter & Gamble Co.: Der neue Chef David Taylor setzt auf Zurückhaltung. Quelle: AP
Procter & Gamble Co.

Procter & Gamble Co.: Der neue Chef David Taylor setzt auf Zurückhaltung.

(Foto: AP)

Karriere um jeden Preis ist nichts für David Taylor. Als ihm Procter & Gamble vor einigen Jahren eine Beförderung anbot, lehnte er ab. Er wollte nicht weg ziehen, seine drei Kinder waren dabei, die High School zu beenden. „Es ist entscheidend zu wissen, wo für einen die Grenzen liegen“, sagt der Amerikaner.

Höchst ungewöhnlich für einen Spitzenmanager. Noch ungewöhnlicher, dass er es auf den Chefsessel von dem Konsumgüterkonzern schaffte. Taylor steht für einen neuen Geist im Unternehmen: Alles steht auf dem Prüfstand. So verkaufte Procter & Gamble zahlreiche seiner ehemals 180 Marken. So veräußerte es 2015 für 13 Milliarden Dollar 43 Marken im Schönheitsgeschäft, darunter Wella oder Cover Girl, an Coty, dem Parfümkonzern der deutschen Unternehmerfamilie Reimann.

Meistens spricht Taylor nicht, er hört lieber zu. Als er 2015 Chef von dem Konsumgüterkonzern wurde, machte sich in aller Ruhe mit dem Geschäft und seinen Problemen vertraut. Ein ganzes Jahr dauerte es, bis er vor wenigen Tagen erstmals an der Telefonkonferenz mit Analysten teilnahm, um die Quartalsergebnisse zu besprechen. „Procter & Gamble kann sich anpassen, entwickeln und verändern, wo immer es zum Erfolg nötig ist“, sagte Taylor den neugierigen Zuhörern.

Das ist die Mogelpackung des Jahres
Negativpreis
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Die Verbraucherzentrale Hamburg verleiht den Negativpreis Mogelpackung des Jahres seit 2013. An der Wahl 2016 nahmen insgesamt 26.132 Verbraucher teil, sechs Mal so viele wie im vergangenen Jahr. 2014 erhielt die Windelmarke Pampers von Procter & Gamble den Negativpreis. Diese Produkte waren in diesem Jahr nominiert...

Nominiert: „Dentagard“ von Colgate-Palmolive
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Der Konsumgüterriese hat im vergangenen Jahr die Füllmenge seiner Dentagard-Zahnpasta von 100 Milliliter auf 75 Milliliter reduziert. Doch die Tube sei weiterhin in den meisten Drogerien und Supermärkten zum gleichen Preis verkauft worden, sagen die Verbraucherschützer. Der geschrumpfte Inhalt entspreche einer versteckten Preiserhöhung von 33,3 Prozent.

Nominiert: „Herta Finesse Schinken“ von Nestlé
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Auf den ersten Blick wurden die Schinkenspezialitäten von Herta sogar billiger. Statt 2,19 Euro oder 2,29 Euro kosteten sie laut Verbraucherzentrale nur noch 1,89 Euro oder 1,99 Euro. Gleichzeitig sei die Füllmenge der neuen Packungen aber drastisch reduziert worden – von 150 auf 100 Gramm. Dadurch ergebe sich eine Preiserhöhung von rund 30 Prozent.

Nominiert: „Curry Ketchup“ von Heinz
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Bei der sogenannten Kopfsteher-Flasche seines Curry Ketchups hat das Unternehmen die Füllmenge von 500 auf 400 Milliliter reduziert. Da gleichzeitig auch der Preis etwas gestiegen sei, entspreche das einer versteckten Preiserhöhung von bis zu 28 Prozent, beklagen die Verbraucherschützer. Zudem sei die ganze Palette der verschiedenen Heinz-Kopfsteherflaschen kleiner geworden.

Nominiert: „Jacobs Latte macchiato classico“ von Jacobs Douwe Egberts
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Der Kaffeekonzern hat die Füllmenge der Kapselpackung um fast die Hälfte reduziert. Sie sank von 475,2 auf 264 Gramm. Außerdem hat das Unternehmen laut den Verbraucherschützern statt echter Milch in Form von Vollmilchkonzentrat nun „Mogelmilch“ verwendet. Diese werde aus Sahneerzeugnis, Milchproteinen, Milchmineralien und Wasser zusammengefügt und von Verdickungsmittel zusammengehalten.

Der Sieger: „Bebe Zartcreme“ von Johnson & Johnson
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Die Mogelpackung des Jahres ist nach Ansicht von Verbrauchern die Bebe Zartcreme. In einer Online-Abstimmung der Verbraucherzentrale Hamburg votierte knapp ein Drittel von insgesamt mehr als 26.000 Verbrauchern für das Kosmetikprodukt aus dem Hause Johnson & Johnson, wie die Verbraucherschützer am Montag mitteilten. Die Bebe Creme ist ihren Angaben zufolge durch neue Füllmengen um bis zu 84 Prozent teurer geworden.

Das hört sich zurückhaltend an, und soll es auch sein. Taylor steht für eine neue Philosophie. Noch vor wenigen Jahren glaubte Procter & Gamble an seine Allmacht. So besaß es 180 Marken, darunter Produkte wie Batterien oder Tierfutter, die wenig mit dem Kerngeschäft von Körperpflege und Hygiene zu tun hatten. Das Resultat: Schwaches Wachstum.

Procter & Gamble feuerte 2013 den Vorstandschef und holte den früheren CEO A.G. Lafley aus dem Ruhestand zurück. Der baute das Unternehmen gewaltig um und setzte 2015 Taylor als seinen Statthalter ein. Von den 180 Marken blieben nur noch die größten 60 bis 70. So veräußerte Procter & Gamble 2015 für 13 Milliarden Dollar 43 Marken im Schönheitsgeschäft, darunter Wella oder Cover Girl, an Coty, dem Parfümkonzern der deutschen Unternehmerfamilie Reimann.

Massenwerbung statt „zielgerichtete Anzeigen“
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