Prognose bestärkt
Einzelhandel fürchtet Folgen der Schuldenkrise

Der deutsche Einzelhandel sieht die Schuldenkrise als größtes Risiko für die Branche. Der Präsident des Handelsverbands HDE rechnet trotz der massiven Probleme im Euroraum aber nach wie vor mit zwei Prozent Umsatzplus.
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BerlinDer deutsche Einzelhandel warnt vor schlechten Geschäften wegen der Schuldenkrise in der Euro-Zone und Auswüchsen am Finanzmarkt. Das seien derzeit die großen Risiken für die Branche, sagte der Präsident des Handelsverbandes HDE, Josef Sanktjohanser am Dienstag, auf einem Kongress in Berlin. „Wäre nicht die Staatsschuldenkrise im Euro-Raum, könnte man von einem weithin intakten Umfeld für den deutschen Einzelhandel sprechen,“ sagte er, bekräftigte aber die jüngste Prognose, dass die Branche in diesem Jahr mit einem Umsatzzuwachs von zwei Prozent rechnen kann.

Auch die Entwicklung an den Börsen löst Einzelhandel Sorgen aus. „Es macht mich zornig, wenn Teile des Finanzsektors in ungezügelter Manier den Wohlstand gefährden“, beklagte Sanktjohanser. „Es ist dringend notwendig, diesem Treiben Einhalt zu gebieten und der Zockerei an den Börsen einen Riegel vorzuschieben.“ Sonst drohten Gefahr für den Wohlstand und den sozialen Frieden. Auch das Verbrauchervertrauen werde dann schwinden.

Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler monierte, dass sich Teile der Finanzbranche zu weit von ihrer dienenden Funktion für die Realwirtschaft entfernt hätten. Daher sei mehr Regulierung und mehr Transparenz bei etlichen Finanzprodukten notwendig, etwa bei Derivaten.

In der Diskussion über Mindestlöhne wehrt sich der Einzelhandel gegen eine Einmischung der Politik. Es sei Sache der Tarifparteien, über Lohnuntergrenzen zu sprechen, erklärte Sanktjohanser. „Wir sind mit Verdi im Gespräch über ein Basisentgelt. Eine staatliche Entgeltregelung lehnen wir ab.“ Der HDE-Präsident begrüßte die jüngsten Beschlüsse der CDU, wonach den Branchen die Festlegung einer Grenze überlassen bleiben soll. „Wir sind im Einzelhandel auf diesem Weg“, betonte er.

Rösler bekräftigte seine Unterstützung für dieses Vorgehen. Im Konzept der sozialen Marktwirtschaft gebe es die klare Aussage, dass für die Lohnfindung die jeweiligen Tarifpartner verantwortlich sind, und der Staat, der Gesetzgeber nichts darin zu suchen habe. „Wir sollten auch dabei bleiben“, unterstrich Rösler. „Alles andere wird fatale Folgen haben“, warnte er.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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