Projekte laufen kürzer
Berater stellen sich auf magere Zeiten ein

Obwohl die Talfahrt der Weltwirtschaft viele Manager ratlos macht, zählen Unternehmensberater nicht automatisch zu den Gewinnern der Krise. Denn die meisten Firmen senken die Kosten deutlich und sparen an Beratungsprojekten, solange diese nicht vordringlich sind. Für 2009 rechnet der Bundesverband Deutscher Unternehmensberater deshalb mit einer Stagnation des Umsatzes.

DÜSSELDORF. „Gefragt sind zurzeit Projekte zu Kostenreduzierung, zum Risikomanagement und zur Anpassung von Geschäftsmodellen“, erläuterte Antonio Schnieder, Präsident des Bundesverbands Deutscher Unternehmensberater (BDU), am Donnerstag in Düsseldorf.

Das vergangene Jahr dagegen hatte den knapp 14 000 Unternehmensberatungen in Deutschland ein zweistelliges Wachstum beschert. Der Umsatz stieg um 10,7 Prozent auf 18,2 Mrd. Euro. Dies ergab die jährliche Branchenumfrage des BDU, an der über 700 Beratungen teilnahmen. Schnieder: „Insgesamt war 2008 wieder ein sehr gutes Jahr für die Beraterbranche.“ Durch das schwächere Umsatzplus im vierten Quartal fiel das Jahreswachstum allerdings etwas kleiner aus als prognostiziert.

Für das Jahr 2009 rechnet Schnieder im Schnitt mit stagnierendem Umsatz „plus/minus drei Prozent“. Einen Rückgang erwarten die Berater mehrheitlich bei Auftraggebern im Fahrzeug- und Maschinenbau und in der Finanzbranche. Ein Umsatzplus dagegen erhoffen sie sich im Gesundheitswesen, in Energie- und Wasserbranche und öffentlichen Verwaltungen.

Die anfängliche „Schockstarre“ durch die Krise hat sich bei den meisten Auftraggebern inzwischen gelöst, beobachtet Dietmar Fink, Professor für Unternehmensberatung an der Hochschule Bonn Rhein-Sieg. Dies bestätigt Eva Manger-Wiemann von der Metaconsultingfirma Cardea in Zürich, die Firmen bei der Auswahl von Beratern unterstützt: „Auf Managementebene nehmen deutsche Mittelständler wie Großunternehmen viel Geld für Berater in die Hand.“ Abteilungsprojekte dagegen etwa zur Prozessoptimierung werden auf Eis gelegt oder gestrichen. Solche aber machen das Gros der Projekte aus, sagt Fink.

Die Krise trifft vor allem Spezialberatungen, die zuvor boomten. Lediglich Sanierer, Kostensenker sowie Branchenexperten sind gefragt. Manger-Wiemann fürchtet, dass wie in der letzten Krise etliche gute kleine und mittlere Beratungen die Durststrecke nicht überleben.

Beratungsgesellschaften mit großen Namen sind weiter recht gut im Geschäft, da sie ein breiteres Spektrum anbieten. Manger-Wiemann: „Sie lassen ihre Berater, die gestern noch Wachstumsprojekte anstießen, heute das Hohe Lied der Kostensenkung singen. Das sollten Kunden einmal kritisch hinterfragen.“

Doch stehen Unternehmen enorm unter Zeitdruck, sie vergeben Beraterprojekte inzwischen sehr kurzfristig. Schnieder: „Das Management erwartet schnelle Ergebnisse, die sich spätestens nach einem Jahr rechnen müssen.“ Die Folge: Projekte laufen kürzer, dafür rücken Berater mit größeren Teams an, beobachtet Manger-Wiemann. Durch die Stückelung vieler Projekte müssen Berater verstärkt um Anschlussaufträge buhlen.

Überhaupt sind die Kunden der Beratungsunternehmen viel kritischer geworden. Beraterexpertin Manger-Wiemann: „Gute Beziehungen und mit allgemeinen Plattitüden angereicherte Powerpoint-Folien reichen nicht mehr für eine Auftragsvergabe. Die Firmen erwarten von Beratern tiefe Kompetenz schon in der Präsentation und wollen etwas mehr für ihr Geld sehen.“ Die BDU-Studie bestätigt den steigenden Akquiseaufwand. Denn viele Kunden haben den Beratungseinkauf zentralisiert und agieren professioneller. Das erhöht den Druck auf die Honorare.

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