Promod Deutsche Tochter will sich selber wieder aufhübschen

Der Filialist Promod gehört zu 100 Prozent dem gleichnamigen französischen Modekonzern bei Lille. Nun kämpft die deutsche Tochter um ihre Existenz – und will sich nach dem Vorbild von Strenesse in Eigenregie sanieren.
Die deutsche Tochter des Modekonzerns aus Frankreich hat nun einen Insolvenzplan vorgelegt. Quelle: Imago
Promod

Die deutsche Tochter des Modekonzerns aus Frankreich hat nun einen Insolvenzplan vorgelegt.

(Foto: Imago)

DüsseldorfDie Online-Konkurrenz und die Macht großer Filialisten wie Zara, H&M und Primark verhagelt dem Modelabel Promod das Geschäft. Die Deutschland-Tochter des französischen Konzerns ist in die roten Zahlen gerutscht. Sie versucht sich nun in der sogenannten Insolvenz in Eigenverwaltung zu sanieren. Nun hat der Modekonzern einen Insolvenzplan vorgelegt.

Michael Thierhoff von der Kanzlei Thierhoff, Müller & Partner in Frankfurt ist hoffnungsvoll, dass Promod zu retten ist. „Wir sind guten Mutes, dass das neue Konzept funktioniert“, sagte der Berater dem Handelsblatt. Der Insolvenzplan sieht vor, möglichst viele der 71 Filialen der Modekette in Deutschland zu erhalten. Es geht vor allem darum, die Kosten für die Ladenmieten zu senken. „Gerade laufen die Gespräche mit den Vermietern“, erklärte Thierhoff. Er hofft, so „einen Großteil der Filialen und der rund 600 Arbeitsplätze zu erhalten“.

Außerdem soll die deutsche Tochter in Köln die Filialen nach dem neuen Ladenkonzept „Boutique Française“ der französischen Mutter umbauen, damit sie heller und moderner werden. Damit ist eine Verjüngung der Kollektion verbunden. Das Unternehmen war viele Jahre lang in Deutschland stark gewachsen. Im Geschäftsjahr 2014/15, das am 28. Februar endete, rutschte das Unternehmen aber bei einem Umsatz von 65 Millionen in die roten Zahlen.

Das Unternehmen gehört zu 100 Prozent dem gleichnamigen französischen Damenmode-Filialisten mit Sitz in Marcq-en-Baroeul bei Lille, dessen Umsatz zuletzt bei knapp unter einer Milliarde Euro stagnierte. Davon entfallen 56 Prozent auf den französischen und rund 25 Prozent auf den deutschen Markt. Die deutsche Tochter hatte im Mai beim Amtsgericht Köln ein Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung angemeldet, das am 26. Juli eröffnet wurde. Im September sollen die Gläubigerversammlungen stattfinden. Der Gläubigerausschuss habe dem Insolvenzplan schon zugestimmt, sagte Thierhoff.

Das Unternehmen hofft auf einen ähnlichen Erfolg wie die Premiummodemarke Strenesse. Das Unternehmen aus Nördlingen in Bayern hatte vor zwei Jahren wegen massiver Probleme ein Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung gestartet. Vergangene Woche fand Strenesse einen Investor. Die Amsterdamer Holding Maeg, hinter der eine polnische Unternehmerfamilie steht, übernimmt Strenesse und will in die inzwischen weitestgehend sanierte Marke investieren.

Das sind Europas größte Modekonzerne
Platz 10: Calzedonia
1 von 10

Die Fachzeitschrift „TextilWirtschaft“ untersucht jedes Jahr die Umsätze der größten europäischen Bekleidungshersteller. Die Analyse zeigt: Der Markt steht vor großen Herausforderungen. Zwar konnten die meisten Konzerne wie zum Beispiel Calzedonia wachsen, doch die Krise in Russland und der Ukraine dürfte sich früher oder später in den Bilanzen niederschlagen.

Umsatz 2013: 1,60 Milliarden Euro
Umsatz 2014: 1,85 Milliarden Euro
Veränderung: + 15,4 Prozent

Platz 9: Giorgio Armani
2 von 10

1975 gründete Georgio Armani das Modelabel Armani. Mittlerweile gehört der Konzern zu den Größten der Modebranche. Für Armani arbeiten rund 6500 Menschen. Neben Kleidungsstücken vertreibt Armani außerdem Home-Artikel und Parfüms. Seit 2002 verkauft der Konzern auch Konfiserie-Artikel sowie verschiedene Honig- und Marmeladensorten. Acht Jahre später entstand im Burj Khalifa in Dubai das erste Hotel im Armani-Stil.

Umsatz 2013: 1,75 Milliarden Euro
Umsatz 2014: 2,00 Milliarden Euro
Veränderung: + 14,2 Prozent

Platz 8: Esprit
3 von 10

Ehemals etablierte Marken sind zu teuren Restrukturierungen gezwungen. So muss sich Esprit auf die Ansprüche der Kunden im digitalen Zeitalter einstellen, heißt es in der Studie von „TextilWirtschaft“. Auch Gerry Weber ist davon betroffen. Darüber hinaus leiden die Modekonzerne auch unter dem starken Dollar, der die Beschaffung verteuert. Esprit trifft es besonders hart. Bei keinem anderen Modekonzern in den Top-20 ist der Umsatz derart stark geschmolzen.

Umsatz 2013: 2,35 Milliarden Euro*
Umsatz 2014: 2,10 Milliarden Euro**
Veränderung: - 10,7 Prozent

*Geschäftsjahr 2013/14
**Geschäftsjahr 2014/2015

Platz 7: Kering
4 von 10

Das französisch-italienische Modeunternehmen Kering dürften nur den Wenigsten bekannt sein. Doch mit Labels wie Puma oder Gucci erreicht der Konzern ansehnlich Umsätze. 2014 konnte Kering seinen Umsatz um knapp zwölf Prozent erhöhen.

Umsatz 2013: 2,13 Milliarden Euro
Umsatz 2014: 2,38 Milliarden Euro
Veränderung: + 11,6 Prozent

Platz 6: Hugo Boss
5 von 10

damDie Edelmarke Hugo Boss ist das zweitgrößte Modeunternehmen Deutschlands. Gegründet wurde es 1924 in Metzingen durch Hugo Ferdinand Boss. Ursprünglich stellte Hugo Boss Berufskleidung her. Unrühmlich ist die Vergangenheit des Konzerns. Im Zweiten Weltkrieg stellte der Konzern die Uniformen für SA, SS und die Wehrmacht her. Dafür wurden unter anderem Zwangsarbeiter aus West- und Osteuropa eingesetzt. Erst nach dem Krieg und dem Tod des Gründers 1948 wurde Hugo Boss zum Modekonzern. Unter der Leitung von Hugo Ferdinand Boss' Schwiegersohn Eugen Holy begann das Unternehmen damit, Herrenanzüge herzustellen.

Umsatz 2013: 2,43 Milliarden Euro
Umsatz 2014: 2,57 Milliarden Euro
Veränderung: + 5,8 Prozent

Platz 5: Tommy Hilfiger
6 von 10

Modedesigner Tommy Hilfiger rief 1984 in New York sein eigenes Modelabel ins Leben. Dass der Konzern im Ranking europäischer Modekonzerne gelistet ist, hat er seinem Firmensitz zu verdanken. Tommy Hilfiger sitzt seit 1997 in Amsterdam. 13 Jahre später wurde das Unternehmen durch den US-Konzern Phillips-Van Heusen übernommen.

Umsatz 2013: 2,56 Milliarden Euro*
Umsatz 2014: 2,70 Milliarden Euro*
Veränderung: + 5,3 Prozent

*Geschäftsjahr 2013/14
**Geschäftsjahr 2014/15

Platz 4: Christian Dior
7 von 10

Direkt nach dem Krieg gegründet, trug Christian Dior maßgeblich dazu bei, dass sich Paris als Modehauptstadt der Welt etablieren konnte. Insgesamt beschäftigt das Unternehmenskonglomerat über 100.000 Mitarbeiter. Für die Modesparte von Dior arbeiten knapp 3600 Menschen.

Umsatz 2013: 2,26 Milliarden Euro
Umsatz 2014: 2,70 Milliarden Euro
Veränderung: + 19,6 Prozent

Promod bekommt wie viele Modefirmen den Verdrängungswettbewerb in der Branche zu spüren. So leiden viele Marken unter neuen Billigangeboten wie der irischen Marke Primark sowie den unvermindert starken vertikal integrierten Ketten wie der spanischen Zara oder der schwedischen H&M. Zudem haben zwei milde Winter hintereinander und ein verregneter Sommer viele T-Shirts und Hosen zu Ladenhütern werden lassen. Das heizt die Rabattschlacht im Einzelhandel an und drückt die Margen.

Auch der Hamburger Filialist Tom Tailor schrieb im zweiten Quartal wieder rote Zahlen, wie das Unternehmen heute mitteilte. Vor allem die Geschäfte der Marke Bonita, die Tom Tailor übernommen hatte, laufen schlecht. Inzwischen hat Vorstandschef Dieter Holzer die Zahl der Bonita-Stores weiter um 15 auf gut 1.000 Filialen verringert.

Startseite
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%