Provisionen von Visa und Mastercard
Handel fühlt sich abkassiert

Der deutsche Einzelhandel macht Front gegen die Gebührenpolitik der Kreditkartenfirmen Visa und Mastercard. Mehrere Verbände, darunter der Hauptverband des Deutschen Einzelhandels (HDE) und der Hotelverband, reichten beim Bundeskartellamt Beschwerde gegen die beiden Firmen ein. Das Kartellamt kündigte an, die Beschwerde zu prüfen.

HB FRANKFURT. Stein des Anstoßes ist die Umsatzprovision, die der Handel zahlen muss. Wesentlicher Bestandteil dieser Provision ist das so genannte Interbanken-Entgelt zwischen der Bank des Händlers und der des Karteninhabers. Diese Gebühr – durchschnittlich 1,5 Prozent des Transaktionsumsatzes – werde wettbewerbswidrig unter den Banken abgesprochen, kritisiert der HDE. Dies verhindere größere Kreditkartenakzeptanz und Umsatzwachstum im Einzelhandel, wo nur fünf Prozent aller Zahlungen mit Kreditkarte getätigt werden. Tankstellen oder Lebensmittelhändlern dagegen werden laut HDE deutlich geringere Gebührensätze von teilweise unter einem Prozent berechnet. Die Kreditkartenfirmen legen den Gebührenrahmen fest.

Die EU-Kommission hatte die Interchange-Gebühren für grenzüberschreitende Transaktionen schon vor Jahren überprüft. In diesem Zusammenhang hatte Visa sich 2002 verpflichtet, die Sätze bis 2007 auf durchschnittlich 0,7 Prozent zu senken und die Berechnungsgrundlage transparenter zu machen. Für innerdeutsche Transaktionen aber änderte sich nichts, so dass nationale Transaktionen heute teuer sind als internationale. Für grenzüberschreitende Zahlungen mit Online-Autorisierung berechnet Mastercard rund 0,95 Prozent, aber 1,7 Prozent für den selben Vorgang im Inland – reine Willkür, kritisiert der HDE. Nachdem Handelsverbände in Großbritannien und Spanien erfolgreich bei den Kartellbehörden gegen die Gebührenpolitik vorgegangen waren, entschied sich auch der HDE zum Handeln.

Weder Visa noch Mastercard wollten die Beschwerde gestern kommentieren. Visa wartet, bis die Klage dem Unternehmen vorliegt. Mastercard will sich erst nach Aufforderung durch das Kartellamt äußern. Beide verteidigten ihre Preispolitik: „Die Interchange-Gebühren wurden beim Bundeskartellamt angemeldet und von diesem bestätigt“, erklärte Hans-Benno Preller, der kommissarische Deutschland-Chef von Visa Europe. Eben diese Bestätigung soll das Kartellamt jetzt nach dem Willen des Einzelhandels überdenken.

American Express ist von der Beschwerde nicht betroffen. „Wir haben ein Geschäftsmodell ohne Interchange-Gebühr, bei dem das Service-Entgelt mit den Vertragspartnern vereinbart wird“, erklärte eine Sprecherin.

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