Prüfgeschäft
Tüv Süd und Nord vor Fusion

Tüv Süd und Tüv Nord wollen sich mit einer Fusion fit machen für die Öffnung der Prüfmärkte und den zunehmenden internationalen Wettbewerb. Zwar bestätigten weder Tüv Nord noch der Tüv Süd offiziell Gespräche über einen Zusammenschluss, doch Branchenkreise sprechen von „ernsthaften Verhandlungen“. Käme sie zu Stande, entstünde mit 1,9 Milliarden Euro Umsatz und 19 000 Mitarbeitern ein weltweiter Branchenriese im Prüfgeschäft.

MÜNCHEN / DÜSSELDORF. „Kein Kommentar“, hieß es am gestrigen Dienstag beim Tüv Süd in München. „Wir nehmen zu den Spekulationen nicht Stellung“, sagte ein Sprecher des Tüv Nord in Hannover. In der Branche wird aber seit langem über eine weitere Konsolidierung in Deutschland spekuliert. Vorherige Fusionsversuche, etwa zwischen Tüv Süd und der Stuttgarter Dekra oder dem Tüv Rheinland, waren gescheitert. Die jetzigen Gespräche seien aber bereits weiter fortgeschritten als damals, die Tüv-Gesellschaften in München und Hannover hätten aus den schlechten Erfahrungen gelernt, heißt es in den Kreisen.

Den Süddeutschen käme aufgrund des deutlich größeren Umsatzanteils eine Schlüsselrolle in dem neuen Unternehmen zu. München könnte der Hauptsitz des neuen Prüfkonzerns werden. Hier schließt sich ein Großer mit einem Kleinen zusammen. Während die Münchener auf rund 1,2 Mrd. Euro Umsatz kommen, erzielen die Hannoveraner rund 610 Mill. Euro.

Der Tüv Nord gilt zudem mit einer Umsatzrendite von vier Prozent als vergleichsweise ergebnisschwach, beim Tüv Süd sind es gut zehn Prozent. Außerdem ist der Tüv Nord bislang kaum im Ausland tätig. Der Auslandsanteil am Umsatz beträgt gerade einmal 12 Prozent, bei den Münchenern sind es 25 Prozent. Auch das Wachstumstempo der beiden Tüv ist sehr unterschiedlich. Während die Münchener zweistellig wachsen, kommt Hannover nur auf ein Plus im Bereich von ein bis zwei Prozent. Außerdem erzielt der Tüv Nord noch knapp 50 Prozent seines Umsatzes im wenig lukrativen Kfz-Prüfgeschäft.

Branchenkenner meinen daher, dass der Tüv Nord von der Entwicklung her noch ein paar Jahre hinter den großen Tüv herhinkt, die bereits ihre Geschäft diversifiziert haben und stark im Ausland tätig sind. „Der Tüv Süd gewinnt mit der Fusion hauptsächlich an Fläche“, meinen Branchenkenner.

Chef des neuen Konzerns könnte Tüv Nord-Chef Guido Rettig werden, der 64-jährige Tüv Süd-Chef Peter Hupfer wird seinen im Mai auslaufenden Vertrag nicht verlängern. Einzelheiten werden auf der Bilanzpressekonferenz des Tüv Süd Mitte April erwartet. Geht alles gut, könnte der neue Tüv-Riese bereits im kommenden Jahr an den Start gehen.

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