Prüfmonopol fällt 2008
Dekra lauert mit vollen Kassen

Der Prüf- und Sachverständigen-Konzern Dekra sagt den Technischen Überwachungsvereinen den Kampf an. Im nächsten Jahr fällt nach über einhundert Jahren deren Prüfmonopol für Aufzüge, Gasdruckbehälter und Explosionsschutz. In diesem Bereich der Industrieprüfung will das Stuttgarter Unternehmen Marktführer werden.

mwb STUTTGART. „Wir greifen flächendeckend an mit dem Ziel Marktführer in diesem Bereich der Industrieprüfung zu werden“, sagte Dekra-Chef Klaus Schmidt bei der Vorstellung der Jahreszahlen. Es handele sich um einen Markt von einer Milliarde Euro in Deutschland und bis zu fünf Mrd. Euro in Europa. Schmidt gibt als Ziel einen Marktanteil von 20 bis 25 Prozent aus. „Monopolisten können – wenn sie gut sind – maximal 60 Prozent ihres Marktes halten“, sagt der Dekra-Chef. Mehr traut er den verschiedenen Tüv-Gesellschaften insgesam auf einem liberalisierten Prüfmarkt nicht zu. Schon bei der Liberalisierung der KFZ-Prüfung zog die Dekra an der Tüv-Konkurrenz vorbei.

Gelassen sieht die Dekra die angestrebte Fusion von Tüv Süd und Nord, die zusammen mit 1,8 Mrd. Euro Umsatz den Stuttgartern die Führung in Deutschland streitig machen würde. Schmidt ist überzeugt, den Konkurrenten vor allem bei der Industrieprüfung Umsatz abknöpfen zu können. Für Schmidt wird 2010 das Jahr der Abrechnung: „Marktführer wird dann sein, wer mehr als zwei Mrd. Euro Umsatz macht.“

Das ist genau das Ziel, das Schmidt mit der Dekra anpeilt. Setzt die Dekra nämlich wie von Schmidt angekündigt ihr Wachstumstempo 2007 fort, dann befindet sich der Konzern auf dem besten Weg. Im Geschäftsjahr 2006 stieg der Umsatz bereits um 11,3 Prozent auf über 1,3 Mrd. Euro. Das Konzernergebnis vor Steuern kletterte um 80 Prozent auf 73,1 Mill. Euro.

Der Konzern hat bereits ein starkes Standbein in Frankreich und baut seine Präsenz in Osteuropa und Asien aus. Zudem will die Dekra auch durch Übernahmen wachsen. „Die Konzentration in der Branche nimmt zu. Wir haben den Willen und die Finanzkraft, um diesen Prozess aktiv zu gestalten“, betonte Schmidt. Die Kriegskasse scheint gut gefüllt. Nach Einschätzung des Dekra-Chefs kann der Konzern Übernahmen bis zu einer halben Mrd. Euro stemmen.

Der Tüv Rheinland hatte kürzlich einer Dreier-Fusion mit Tüv Süd und Tüv Nord eine Absage erteilt. „Wenn sich der Tüv Rheinland entschließt mit uns zu reden, werden wir sehr gespannt zuhören“, sagte Schmidt. Branchenkenner rechnen aber nicht damit, dass die Dekra in die Tüv-Phalanx einbrechen kann. Dafür gelten die Firmenkulturen als zu unterschiedlich. Wahrscheinlicher sind Ziele im Ausland, dessen Anteil am Konzernumsatz in den kommenden Jahren auf 40 Prozent wachsen soll.

Die Dekra wird darüber hinaus immer mehr zum Jobmotor. Der Konzern stockte 2006 seine Belegschaft um 1 300 auf 16 100 Mitarbeiter auf. Im laufenden Jahr sind 1 500 zusätzliche Einstellungen geplant. Ein Großteil entfällt auf die um ein Drittel auf 260 Mill. Euro Umsatz gewachsene Sparte Personaldienstleistungen. Beispielsweise hat die Dekra die Personalvermittlung für Daimler abgewickelt, als der Autobauer im vergangenen Jahr 15 000 Stellen abgebaut hat.

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