„Pseudodiscounter“
Weg von der Masse

Wie eine Trophäe streckt Michael Hürter bei der Eröffnung seiner neuen Plus-Filiale in Düsseldorfs Innenstadt eine Flasche L’Oréal-Haarshampoo gen Himmel. „In den nächsten fünf Jahren bleibt beim Discount kein Stein auf dem anderen“, verkündet er.

HANNOVER / DÜSSELDORF / BAD SÄCKINGEN. Michael Hürter, Chef der Discount-Schiene des Einzelhandelskonzerns Tengelmann, hat allen Grund, stolz zu sein. Zum ersten Mal ist es einem deutschen Discounter gelungen, den imagebewussten französischen Schönheitskonzern ins eigene Sortiment zu locken.

„In den nächsten fünf Jahren bleibt beim Discount kein Stein auf dem anderen“, verkündet der 42-jährige Handelsmanager. Dosenreihen, Pappkartons und Drahtkörbe soll es bei Plus künftig nur noch im Lager geben. Im Geschäft werden hochwertige Regale aufgestellt, die beleuchtet sind. Die Umbaupläne kommen an: „L’Oréal entwickelt sich dort besonders gut, wo der Verbraucher die Möglichkeit hat, unsere Produkte in einem gehobenen Warenumfeld zu erleben“, begründet der verantwortliche L’Oréal-Manager Kenneth Campbell den ersten Schritt in das Reich der Billigheimer.

Drei Tage früher, 550 Kilometer weiter südlich. Im badischen Bad Säckingen wieselt Toom-Geschäftsführer Georg Rothacher durch die Gänge seines neuen Baumarkts, in dem man lange Regale mit Pinseln oder Schrauben fast vergeblich sucht. Einzelne Einrichtungskojen sollen der vorzugsweise weiblichen Kundschaft neue Ideen vermitteln. Statt sich auf einen Preiskampf mit Wettbewerbern wie Praktiker oder Hornbach einzulassen, will sich die Rewe-Baumarkttochter künftig als gehobener Ausstatter für das traute Heim präsentieren. „Wir wollen weg vom Preis“, verrät Rothacher seine Strategie.

Wo noch bis vor kurzem der Rotstift als entscheidendes Verkaufsargument dominierte, suchen Händler zunehmend ihr Heil in der Differenzierung von der breiten Masse. Fast allen ist dabei eines gemein: Investiert wird vor allem in den Auftritt der Filialen. Wolf Schulte-Hillen, freier Unternehmensberater mit dem Spezialgebiet Internationales Store-Design, weiß warum: „Der Laden ist das Aushängeschild und damit der entscheidende Wettbewerbsfaktor.“

Der neuen Taktik folgt auch Takko. Der Textildiscounter setzt seit vergangenem Jahr auf einen hochwertigeren Ladenbau. In 80 Filialen mussten die Rundständer mit dürren Metallbügeln kompletten Warenwelten weichen. Auch der Wettbewerber New Yorker eröffnete jüngst in Hannover eine 2 000 Quadratmeter große Filiale über drei Etagen – mit zentralem Lichthof. PVC-Böden und Drahtkörbe von einst sucht man dort inzwischen vergeblich.

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