Public Private Partnership
Eiserner Steg

Autobahnen, Flughäfen, Tunnels – um das Milliardengeschäft mit Infrastruktur entbrennt zwischen Banken und Finanzinvestoren ein heißer Kampf. Jede Industrienation ist von ihrer Infrastruktur abhängig, doch leider fehlt vielen Staaten das Geld um den stetig wachsenden Bedürfnissen gerecht zu werden. Hier kommen private Investoren ins Spiel.
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FRANKFURT. Dunkelheit legt sich über weite Teile Deutschlands. Kein Licht, kein Strom, für viele auch kein warmes Wasser und keine Heizung. 15 Millionen Menschen merken schlagartig, wie abhängig die moderne Zivilisation von Infrastruktur ist. Das war im November des vergangenen Jahres, als eine Überlandleitung des Energiekonzerns E.On ihren Dienst versagte. Und die Martinsgans kalt blieb. Selbst ein hoch industrialisiertes Land wie Deutschland ist vor solchen Ausfällen nicht gefeit. Straßen, Schienen, Flughäfen, Strom-, Telefon- und Wasserleitungen: Wenn sie ausfallen, wird unser Alltag in graue Vorzeiten zurückgeworfen.

Doch nicht nur in den Industrienationen hängen Wohl und Wehe von einer funktionierenden Infrastruktur ab. Weltweit sorgen steigende Bevölkerungszahlen und wirtschaftliche Entwicklung für einen immer höheren Investitionsbedarf in Infrastruktur. Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) schätzt ihn bis 2030 auf rund 2,5 Prozent der globalen Wirtschaftsleistung. Die Unternehmensberatung Booz Allen Hamilton kommt auf einen globalen Bedarf in den nächsten 25 Jahren von rund 41 Billionen Dollar - eine 41 mit zwölf Nullen. Neun Billionen davon fallen in Europa an.

Und überall auf der Welt fehlt den Staaten das Geld, um diesen gewaltigen Bedarf aus eigenen Mitteln zu decken. Deshalb springen immer häufiger Private ein - die sich anschließend vom Betrieb der Anlagen und Verkehrswege das große Geschäft versprechen.

Die Sache hat für die Investoren einen Haken: Nur Großprojekte eignen sich für internationale Investoren, und die große Masse der Vorhaben in den Schwellen- und Entwicklungsländern sind riskanter als die Projekte in den Industrieländern. Um die vielversprechenden Investments in entwickelten Ländern entbrennt unter Baukonzernen, Investmentbanken, Pensionsfonds und Finanzinvestoren ein heißer Kampf. Die Preise steigen seit Monaten rapide an. Schon warnt die Ratingagentur Standard & Poor’s, dass sich im Infrastruktur-Bereich die nächste Blase aufbauen könnte.

In Australien Großbritannien, Spanien oder in den USA erstellen, finanzieren und betreiben Private schon bis zu 25 Prozent der Investitionen. Auf 15 Prozent will Bundesfinanzminister Peer Steinbrück mittelfristig auch Deutschland hieven - von heute schätzungsweise nicht einmal vier Prozent. Das ist ein enormes Potenzial für internationale Investoren, die immer auf der Suche nach neuen Anlagezielen sind. Sie schwimmen im Geld, weil Pensionsfonds und Versicherungen neue Anlagen für die Gelder ihrer Einzahler suchen. Und InfrastrukturInvestments sind momentan en vogue. Schließlich erreichten die börsennotierten Fonds des australischen Branchenpioniers Macquarie in den vergangenen Jahren im Schnitt eine jährliche Rendite von gut 20 Prozent.

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