Pünktlichkeitsprobleme auf der Schiene belasten den Hoffnungsträger Kombiverkehr
Spediteure kehren der Bahn den Rücken

Massive Verspätungen, schleppende Abfertigung: Der Deutschen Bahn springen im Transportgeschäft die Kunden ab. Unternehmen üben harsche Kritik.

DÜSSELDORF. Die gegenwärtigen massiven Verspätungen der Deutschen Bahn im Personenverkehr belasten auch das Frachttransportgeschäft der Konzerntochter Railion (früher DB Cargo). Im Kombinierten Verkehr, bei dem LKW-Aufbauten und Container auf der Schiene befördert werden, springen erste Spediteure bereits wieder ab. Ihre Kunden beschweren sich, weil die Fahrpläne nicht eingehalten werden. Dabei gilt der Kombinierte Verkehr als Hoffnungsträger, um nach Einführung der LKW-Maut Verkehr von der Straße auf die Schiene umzuleiten.

Saftige Verspätungen bei den Zügen, zudem noch schleppende Abfertigung in den Umschlagterminals: „Die Qualität des Schienentransports hat sich erheblich verschlechtert. Unsere Kunden haben uns aufgefordert, auf die Straße zurückzukehren, wenn wir den Auftrag halten wollen“, sagte Wolfgang Römer, Geschäftsführer der Hamburger Bursped Spedition GmbH & Co. KG, dem Handelsblatt. Gemeinsam mit dem Unternehmen sind drei weitere Sammelgutspediteure zurück auf die Straße gegangen. „Die Pünktlichkeitsrate spottet jeder Beschreibung“, fasst Karl-Heinz Schmidt, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes Güterkraftverkehr Logistik und Entsorgung (BGL), den Ärger der Branche zusammen.

Ein Railion-Sprecher räumte ein, dass die Bahn derzeit „ziemliche Qualitätsprobleme“ habe. Einer der wesentlichen Gründe: viele Baustellen im Schienennetz. Beispielsweise habe die linke Rheinstrecke zwischen Köln und Mainz, eine der Hauptschlagadern des Güterverkehrs, wegen umfangreicher Erneuerungen wochenlang nicht zur Verfügung gestanden. Zudem habe das zusätzliche Frachtaufkommen, das wegen des Niedrigwassers der Flüsse vom Binnenschiff auf die Bahn verlagert wurde, zu Kapazitätsengpässen bei Technik und Personal geführt.

Hinzu kommen die Probleme in den Ballungsgebieten, wo die im festen Taktfahrplan verkehrenden Regionalzüge kaum noch freie Bahn für den Kombinierten Verkehr lassen. BGL-Sprecher Schmidt: „Hat der Nahverkehr dann auch noch ein Pünktlichkeitsproblem, bleibt so mancher Kombizug einfach stehen.“ Mit der Folge, dass Anschlüsse für die weitere Verteilung per Straße platzen und Sendungen erst 24 Stunden später ausgeliefert werden.

Auch Werner Maywald, Chef der Kombiverkehr KG, die als Marktführer national und international ein eigenes Zugsystem fährt, kritisiert den absoluten Vorrang des Personenverkehrs auf der Schiene. Der Kombinierte Verkehr brauche zuverlässig gute Zeitfenster, sonst bekomme er „ein ganz, ganz großes Problem“. Das zeige der Ausstieg der Sammelgutspediteure um Bursped: „Ein klares Zeichen – wenn die Leistung nicht stimmt, gehen die Kunden auf die Straße zurück“, bedauert Maywald.

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