Qatar-Airways-Chef Al-Baker
„Bedingungen der Gewerkschaften töten Lufthansa“

Prügelknabe Qatar Airways: Die Lufthansa beschwert sich über unfairen Wettbewerb, Verdi brandmarkt die Arbeitsbedingungen. Airline-Chef Al-Baker outet sich als Fan der deutschen Airline, von Gewerkschaften hält er wenig.
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DüsseldorfDie arabische Fluggesellschaft Qatar Airways wehrt sich gegen Angriffe aus Deutschland. Die Gewerkschaft Verdi hatte der Airline zuletzt vorgeworfen, Arbeitnehmerrechte zu verletzen: Bei einer Schwangerschaft drohe die Kündigung, Mitarbeiter müssten in Gemeinschaftsunterkünften wohnen und eine Sperrstunde einhalten. Verdi-Chef Frank Bsirske forderte sogar die Abgeordneten des Bundestages auf, Qatar Airways zu boykottieren.

Airline-Chef Akbar Al-Baker weist die Vorwürfe im Interview mit der Digitalzeitung Handelsblatt Live als „absolut unfair“ zurück. „Wer als Stewardess schwanger wird, bekommt einen Job als Bodenpersonal“, sagt Al-Baker. Die Flugbegleiterinnen dürften allerdings in den ersten fünf Jahren ihrer Tätigkeit tatsächlich nicht heiraten. Dies begründet Al-Baker mit den hohen Ausbildungskosten. In den Gemeinschaftsunterkünften dürften die Mitarbeiter grundsätzlich machen, was sie wollen. Nach 22 Uhr dürfe aber kein Betriebsfremder mehr in den Gebäuden sein, um 4 Uhr müssten alle Mitarbeiter zurück sein. „Aber es gibt keine Überwachung bei uns, keine Kameras in den Schlafzimmern oder Fluren“, so der Airline-Chef.

Weder die internationale Transportgewerkschaft ITF noch Verdi hätten die Vorwürfe vor Ort in Katars Hauptstadt Doha überprüft. Qatar Airways werde von Gewerkschaften und „linken Blättern“ angegriffen, weil es in dem Emirat keine Gewerkschaft gebe. „Ein besonders starkes Stück ist dabei, dass Verdi-Chef Frank Bsirske auch noch Aufsichtsrat bei Lufthansa ist“, wirft Al-Baker dem Gewerkschaftschef vor, Partei für den Konkurrenten zu ergreifen.

Auch die Attacke der Lufthansa, Qatar Airways sowie die beiden weiteren arabischen Airlines Etihad und Emirates hätten Wettbewerbsvorteile, weil sie Staatsgelder erhielten, kontert Al-Baker. Bis zu ihrer Privatisierung habe die Lufthansa ebenfalls Regierungsgelder als Kapitalspritze bekommen.

Der Airline-Chef outet sich im Handelsblatt-Live-Interview als Fan des deutschen Konkurrenten: „Lufthansa ist eine perfekte, eine wunderbare Airline“, sagt Al-Baker. Das Problem der Fluggesellschaft sei die Effizienz, die Lufthansa werde von den Gewerkschaften geknebelt. „Sie müssten eine Menge Geld verdienen. Aber die Bedingungen, die die Gewerkschaften ihnen aufzwingen, töten sie.“

Das vollständige Interview mit Qatar-Airways-Chef Akbar Al-Baker finden Sie als Download im Kaufhaus der Weltwirtschaft.

Der Hamburger ist nach Stationen als Auslandskorrespondent in Moskau, Brüssel und Warschau jetzt Auslandschef des Handelsblatts. Er interessiert sich besonders für Osteuropa, die arabische Welt und Iran.
Mathias Brüggmann
Handelsblatt / Korrespondent
Tobias Döring, Redakteur Unternehmen, Handelsblatt Online
Tobias Döring
Handelsblatt / Chef vom Dienst

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