Qatar Airways und IAG

Kataris erhöhen Anteil an British-Airways-Mutter

Qatar Airways nutzt den günstigen Pfund-Kurs nach dem Brexit-Votum und erhöht seine Anteile an dem Luftfahrtkonzern IAG. Den Kataris gehören nun 20 Prozent der Mutter von British Airways und Iberia.
Qatar Airways erhöht seine Anteile am Mutterkonzern IAG. Quelle: Reuters
British Airways

Qatar Airways erhöht seine Anteile am Mutterkonzern IAG.

(Foto: Reuters)

LondonDie Fluggesellschaft Qatar Airways hat dank des günstigen Pfundkurses nach dem Brexit-Votum ihren Anteil an der British Airways-Mutter IAG aufgestockt. Es habe die „attraktive Kaufgelegenheit“ genutzt, um für 375 Millionen Pfund weitere 4,34 Prozent an IAG zu erwerben und seinen Anteil damit auf 20 Prozent auszubauen, teilte das arabische Unternehmen am Montag mit.

Die IAG-Anteilsscheine haben seit der Volksabstimmung für einen Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union (EU) rund ein Viertel an Wert verloren. Wegen des Wertverlustes beim britischen Pfund wurden die Aktien für Investoren aus anderen Teilen der Welt zusätzlich attraktiv.

Die staatliche Qatar Airways hatte bereits zuvor die Absicht bekundet, ihren Anteil an IAG zu erhöhen. Die 20 Prozent seien aber ein Limit, das sie nicht überschreiten wolle, solange sich die Situation nicht wesentlich ändere. Derzeit dürfen außereuropäische Investoren nicht mehr als 49 Prozent an europäischen Fluggesellschaften besitzen. Qatar Airways war 2015 erstmals bei IAG eingestiegen, zu der neben British Airways auch Iberia gehört.

Qatar betonte, dass der Kauf weiterer IAG-Aktien auf rein finanziellen Interessen beruht habe. Er zeige aber auch, wie stark die geschäftlichen und strategischen Verbindungen beider Unternehmen seien.

Was der Brexit für den Luftverkehr bedeutet
Was bedeutet der Brexit für die einzelnen Beteiligten?
1 von 9

Britische Touristen spüren schon in diesem Sommer die Folgen des vorerst nur angekündigten EU-Austritts: Mit ihrem abgewerteten Pfund erhalten sie in Europas Feriengebieten weniger fürs Geld – und die Flugreisen werden wegen des ungünstigen Verhältnisses zur Ölwährung Dollar auch gleich teurer. Die längerfristigen Folgen eines Brexit für die Luftfahrtbranche und damit auch für Passagiere in ganz Europa sind hingegen noch schwer absehbar. Billigfliegern dürfte der Preiskampf künftig schwerer fallen.

Die Branche
2 von 9

Großbritannien steht nach Einschätzung des Weltairline-Verbandes IATA vor einem wirtschaftlichen Abschwung, der zusammen mit der Pfund-Abwertung die Zahl der Fluggäste von der und auf die Insel jährlich um 3 bis 5 Prozent schmälern wird. Im Vergleich zum US-Dollar werten Pfund und Euro in der Folge des Brexit eher ab, was zu höheren Belastungen durch die Kerosinrechnung führt.

Die Passagiere
3 von 9

Die wirtschaftlichen Probleme in Großbritannien verringern grundsätzlich den Spielraum der großen Billigflieger für weitere Kampfpreise. Ihr Wachstumskurs wie auch der wettbewerbsbedingte Preisverfall bei den Tickets dürften daher gebremst werden. Doch auch das ist nicht sicher: Ryanair und Co. müssen bei einer schwächeren Nachfrage auf der Insel notgedrungen Flugzeuge auf den Kontinent verlegen, was auch an abgelegenen Zielen für mehr Konkurrenz und sinkende Preise sorgen würde. Die Lufthansa würde mit ihrem Billigableger Eurowings gegenhalten. Deutschland ist aktuell der wichtigste Expansionsmarkt, hat Ryanair-Chef Michael O'Leary betont. 2017 sei es sehr unwahrscheinlich, dass auch nur eines der 50 neuen Flugzeuge in Großbritannien stationiert werde, sagte der Airline-Chef dem „Wall Street Journal“. „Wir werden all unser Wachstum in die Europäische Union umleiten.“

Die Juristen
4 von 9

Auch im Luftverkehr müssen die rechtlichen Beziehungen neu geordnet werden. Experten stellen in Frage, ob das innerhalb von zwei Jahren erreichbar ist. Das Vereinigte Königreich ist bislang Vollmitglied im weitgehend liberalisierten und vereinheitlichten Luftverkehrsmarkt Europa. Ob britische Gesellschaften auch nach einem Brexit überall in Europa starten und landen dürfen, ist zumindest fraglich. Weltweit üblicher sind Abkommen auf Gegenseitigkeit, die zwischen den EU-Staaten und Großbritannien neu ausgehandelt werden müssten. Die EU hat zudem mit Drittstaaten Luftverkehrsabkommen geschlossen, die für die Briten nicht mehr gelten würden und ebenfalls neu ausgehandelt werden müssten. Ökonomisch wichtig ist hier insbesondere der „Open-Skies“-Vertrag mit den USA.

Die Billigflieger
5 von 9

Kräftige Kursabschläge und die Easyjet-Gewinnwarnung machen klar: Zu den großen Verlierern des Brexit gehören von der ersten Minute an die beiden großen Billigflieger Ryanair und Easyjet, die nach Zahlen des Airline-Verbandes IATA 36 beziehungsweise 49 Prozent ihrer Kapazitäten im Großbritannien-Verkehr einsetzen. Ihre sehr preissensiblen Privatkunden dürften künftig weniger Geld für Flugtickets übrig haben als bislang. Der Chef des weltgrößten Reisekonzerns Tui, Fritz Joussen, bezweifelt jedoch, dass sich die Briten ihre „sehr ausgeprägte Reiselust“ so schnell nehmen lassen.

Die Billigflieger
6 von 9

Die Billigflieger haben bislang wie niemand sonst vom einheitlichen europäischen Luftverkehrsmarkt profitiert, in dem sie ohne Einschränkungen in der EU Direktverbindungen etwa von Deutschland nach Spanien angeboten haben. Das wird sich für die irische Ryanair nicht ändern, die britische Easyjet könnte hingegen massive Probleme wegen fehlender Luftverkehrsrechte bekommen. Easyjet müsste sich in Berlin, Brüssel oder Amsterdam möglicherweise auf Flüge von und nach Großbritannien beschränken, statt wie bislang von vielen Städten auf dem Kontinent aus zu Zielen in ganz Europa zu starten. Easyjet-Chefin Carolyn McCall prüft laut Berichten daher die Einrichtung eigener Flugbetriebe (AOC) in anderen EU-Staaten außerhalb Großbritanniens.

Die Flughäfen
7 von 9

Bei einem Ausscheiden Großbritanniens drohen nicht nur britischen Airports einschneidende Veränderungen. Während in Deutschland die Drehkreuze Frankfurt und München auf leicht positive Verlagerungseffekte aus London hoffen dürfen, sind beispielsweise Hamburg, Köln oder Berlin auf Ryanair und Easyjet als Kundschaft angewiesen. Der Hauptgeschäftsführer des deutschen Flughafenverbandes ADV, Ralph Beisel, forderte die britischen Airlines im Gespräch mit dem Branchenportal airliners.de bereits auf, „möglichst schnell eine Lösung zu finden“, sofern sie Flughäfen in Deutschland anfliegen.

Qatar Airways baut seine globale Präsenz kontinuierlich aus. Im Juli teilte die Fluggesellschaft mit, sie werde bis zu zehn Prozent an der in Chile ansässigen Gesellschaft Latam kaufen und 49 Prozent an der italienischen Meridiana.

  • rtr
Startseite

Mehr zu: Qatar Airways und IAG - Kataris erhöhen Anteil an British-Airways-Mutter

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%