Qualität auf einen Blick
Spitzenweine erhalten einheitliche Kennzeichnung

Verbraucher haben es künftig leichter, Qualität und Geschmacksrichtung eines deutschen Spitzenweins schon auf der Flasche eindeutig zu erkennen. Die Mitglieder des Verbandes der Deutschen Prädikatsweingüter (VDP) werden ihre besten Weine künftig unter dem Oberbegriff „Erste Lage“ anbieten.

BERLIN. Trockene Weine dieser Kategorie erhalten die Bezeichnung „Großes Gewächs“, während liebliche, fruchtsüße Tropfen mit Prädikaten im traditionellen Sinn – von Spätlese bis Trockenbeerenauslese – gekennzeichnet werden. Auf dem Etikett gibt schließlich noch die Lage des Weinbergs Auskunft über die regionale Typologie des Weins. Außerdem gilt für die VDP-Weingüter, die nach strengen Qualitätsregeln arbeiten, jetzt ein ausdrückliches Verbot für die Verwendung von Eichenholzchips, die oft die teurere Fasslagerung ersetzen sollen.

„Die Vereinheitlichung der Kennzeichnung soll zeitlich gestaffelt umgesetzt und von unseren Mitgliedsbetrieben spätestens bis 2015 eingehalten werden", sagte VDP-Präsident Michael Prinz zu Salm-Salm am Wochenende. Der VDP repräsentiere mit seinen rund 200 Mitgliedern und etwa 4 000 Hektar Anbaufläche zwar nur vier Prozent der deutschen Weinberge, aber rund zehn Prozent des deutschen Weinwertes, wie Prinz Salm betonte. Die deutschen Konsumenten geben jährlich etwa zwei Mrd. Euro für inländische Weine aus.

Das heimische Weingesetz kennt den Begriff „Erste Lage“ jedoch nicht. Deshalb wird der VDP-Wein mit dem patentierten Logo „Eins plus Traube" auf dem Flaschenhals, jedoch ohne Aufdruck auf dem Etikett, gekennzeichnet werden. „Ein Trick", wie Prinz Salm gesteht. Der VDP hält das deutsche Weingesetz von 1971 für überholt. Die heutige Markt-Realität wird dort sicher nicht mehr abgebildet: Inzwischen haben beispielsweise die Lagennamen der Weinberge weitgehend ihren Wert verloren. Denn Tausende von Lagen wurden seit damals zusammengefasst und ohne Hinweis auf die unterschiedliche Qualität der Lagenteile vermarktet. Außerdem kam es zu einer Inflation an Prädikatsweinen, da allein der Zuckergehalt im Traubensaft über die Qualitätseinstufung entscheidet. Mangels eindeutiger Kriterien stehen viele Konsumenten immer noch ratlos vor den Weinregalen des Handels.

Kritik an den elitären Regeln des VDP kam zuvor aus den Reihen des Deutschen Weinbauverbandes, der die Mehrzahl der rund 16 000 deutschen Winzer vertritt. Verbands-Präsident Norbert Weber will jedoch „keine Grundsatzdiskussionen mehr führen". Eine Änderung des Weingesetzes nach dem Vorbild der VDP-Regeln halten Brancheninsider aber für unwahrscheinlich.

Die Hälfte des deutschen Weinmarktes wird von Discountern wie Aldi und Lidl bestimmt. Flaschenpreise von deutlich unter zwei Euro sind dort die Regel, nicht die Ausnahme. Der höhere Aufwand, den VDP-Weingüter betreiben, macht sich auch in höheren Abgabepreisen bemerkbar. So kostet ein Wein der Eingangsstufe „Kabinett“ ab Weingut schon einmal knapp zehn Euro pro Flasche. Höherwertige Weine erzielen durchaus Flaschenpreise von zwanzig bis vierzig Euro.

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