Quartalsbericht: Amazon rutscht tief in die Verlustzone

QuartalsberichtAmazon rutscht tief in die Verlustzone

Die Beteiligung an einem Rabattcoupon-Spezialisten kommt Amazon teuer zu stehen: Abschreibungen sorgten für einen Millionenverlust. Der Umsatz stieg zwar an - doch auch dabei gab es einen Wermutstropfen.
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Seattle/New York/San FranciscoDie Wirtschaftsflaute in Europa und hohe Investitionen haben dem weltgrößten Internet-Händler Amazon.com erstmals seit mehr als fünf Jahren netto einen Quartalsverlust eingebrockt. Im abgelaufenen Vierteljahr verbuchte der US-Konzern nach eigenen Angaben vom Donnerstag unter dem Strich einen Fehlbetrag von 274 Millionen Dollar oder 60 Cent je Aktie. Der Umsatz kletterte jedoch um 27 Prozent auf fast 13,8 Milliarden Dollar. Nachbörslich fiel die Aktie leicht auf 220 Dollar.

Auslöser für den Verlust war vor allem eine Abschreibung auf die Beteiligung am Rabattcoupon-Spezialisten LivingSocial in Höhe von 169 Millionen Dollar. Zudem verwies Amazon-Finanzchef Tom Szkutak auf hohe Investitionen in die Kindle-Lesegeräte und das Tablet Kindle Fire. Außerdem seien neue Versandzentren errichtet worden. Die Betriebskosten stiegen im dritten Quartal um 28 Prozent auf 13,8 Milliarden Dollar.

Amazon bezeichnete den Kindle Fire HD, der zum Preis von 199 Dollar verkauft wird, als sein erfolgreichstes Produkt weltweit. Der Konzern nannte allerdings keine Verkaufszahlen für das Tablet. Eine größere Version des Geräts soll im kommenden Monat auf den Markt kommen.

Der Quartalsumsatz des Unternehmens stieg im Jahresvergleich um 27 Prozent auf 13,81 Milliarden Dollar. Im dritten Quartal des vergangenen Jahres hatte Amazon aber noch einen Gewinn von 63 Millionen Dollar eingefahren.

Die Aktie verlor nachbörslich zunächst über acht Prozent, später überlegten es sich die Anleger doch noch einmal und das Minus verkleinerte sich auf rund zwei Prozent. Pro Aktie betrug der Verlust von Juli bis September 60 Cent. Analysten hatten nach Angaben des Branchendienstes Factset im Durchschnitt nur mit einem Verlust pro Aktie von sieben Cent gerechnet und einen etwas höheren Umsatz von 13,91 Milliarden Dollar (10,76 Milliarden Euro) erwartet.

Das Quartalsergebnis verfehlte massiv die Erwartungen der Analysten. Dabei ist man von dem Handelskonzern sowieso keine besonders üppigen Gewinne gewohnt: Amazon-Chef Jeff Bezos setzt lieber auf schnelles Wachstum dank niedriger Preise und verzichtet dafür auch auf Rendite. Und derzeit ist der Online-Händler schwer am Investieren. Gerade kam auch in Europa die zweite Generation von Amazons Tablet auf den Markt, das Kindle Fire HD. Rechtzeitig zum Weihnachtsgeschäft wurden neue Kindle-Lesegeräte für digitale Bücher eingeführt.

Und Bezos räumt selbst ein, dass Amazon seine Geräte praktisch zum Produktionspreis verkauft und das Geld später wieder mit seinen Diensten einspielen will. Schon die verhältnismäßig mageren 63 Millionen Dollar Gewinn im Vorjahresquartal waren den hohen Investitionen in die erste Version des Amazon-Tablets geschuldet.

Allerdings verfehlte auch die Prognose für das laufende Quartal die Erwartungen der Analysten. Amazon rechnet im Weihnachtsgeschäft mit einem Umsatzplus von 16 bis 31 Prozent im Jahresvergleich. Damit blieb das Unternehmen unterhalb der Analysten-Schätzungen. Dieses Weihnachten stehe ein harter Wettbewerb an, sagte Analyst RJ Hottovy von Morningstar. "Es ist unklar, wie das enden wird - auch für relativ clevere Händler wie Amazon."

Schwergewichtige Wettbewerber wie Target und Best Buy setzen den Branchenprimus mit Plänen unter Druck, einige der Amazon-Preise online ebenfalls anzubieten. Amazon-Finanzchef Tom Szkutak kündigte an, in Technologie, Infrastruktur und digitale Inhalte weiter kräftig zu investieren.

Kommentare zu " Quartalsbericht: Amazon rutscht tief in die Verlustzone"

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  • sowas, dabei bestellt meine Frau fast jeden Käse dort...

  • Dem gibt es nichts hinzuzufügen.

  • "Amazon rutscht tief in die Verlustzone"

    Macht nix, es trifft schon die Richtigen.

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