Quartalsverlust bei Adidas
Wenn nur Reebok nicht wäre

Der Sportartikelhersteller Adidas hat vor allem wegen seiner Marke Reebok einen Quartalsverlust eingefahren. Einen noch größeren Rückgang im Jahresergebnis konnte der Konzern durch geschickte Buchführung verhindern.
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DüsseldorfMit einer deutlichen Dividendenerhöhung um 35 Prozent will der Sportartikel-Konzern Adidas die Aktionäre erfreuen. Sie sollen pro Aktie 1,35 Euro erhalten – obwohl der Jahresüberschuss im vergangenen Jahr mit 526 Millionen Euro deutlich niedriger ausfiel als von Analysten erwartet. Diese hatten mit 795 Millionen Euro gerechnet.

Das gemeldete Ergebnis liegt um 14 Prozent niedriger als im Jahr 2011 als weder Olympische Spiele noch große Fußballturniere dem Konzern halfen. Gedämpft wurde der Gewinn unter anderem durch Abschreibungen auf die konzerneigene Marke Reebok. Insgesamt spricht Adidas von „Wertminderungsaufwendungen“ in Höhe von mehr als einer viertel Milliarde Euro im vierten Quartal 2012. Dadurch rutschte Adidas von September bis Dezember in die roten Zahlen und verbuchte einen Nettoverlust in Höhe von 272 Millionen Euro.

Adidas hatte im November seine Umsatzerwartungen zurückgeschraubt, was unter anderem an schlechter als erwartet ausgefallenen Ergebnissen bei Reebok lag. Aber auch das Adidas-Geschäft in Europa lahmte zum Jahresende. Hier ging der Quartalsumsatz um vier Prozent zurück. Im Vorjahr seien bereits Verkäufe für die sportlichen Großereignisse verzeichnet worden, begründet Adidas die schwache Entwicklung.

Einen noch größeren Rückgang in der Jahresbilanz konnte der Konzern verhindern. Denn ein Skandal bei Reebok in Indien – das dortige Management war in einen Betrugsfall verwickelt und hatte sich wohl aus der Konzernkasse bedient – schlägt nur rückwirkend im Jahresergebnis 2011 mit einer Reduzierung des Eigenkapitals um 153 Millionen Euro zu Buche.

Der Konzernumsatz kletterte im Gesamtjahr 2012 bereinigt um Währungseffekte zwar um sechs Prozent auf 14,9 Milliarden Euro. Doch das Betriebsergebnis schrumpfte um drei Prozent auf 920 Millionen Euro. Die operative Marge sackte gar um einen Prozentpunkt auf 6,2 Prozent ab.

In seiner Mitteilung wird Adidas nicht müde zu betonen, dass ohne die Wertberichtigungen ein deutlich besseres Resultat eingefahren worden wäre. Die Lasten, die Reebok mit sich bringt, kann das jedoch nicht kaschieren. Für das laufende Jahr gibt sich Adidas-Chef Herbert Hainer optimistisch: „Wir sind bestens aufgestellt, um 2013 erneut Rekordumsätze zu erzielen.“

Martin Dowideit, Leiter Digitales, Handelsblatt.
Martin Dowideit
Handelsblatt / Leiter Digitales

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  • "Einen noch größeren Rückgang in der Jahresbilanz konnte der Konzern durch geschickte Buchführung verhindern."

    Das ist keine geschickte Buchführung, sondern zwingend anzuwendendes Recht (IAS 8). Denn es könnte in anderen Fällen auch sein, dass in den Vorjahren zu wenig Gewinn (anstatt hier Verlust) bilanziert wurde. Wenn die Korrektur nicht (wie jetzt bei adidas bzw. nach IAS 8) über das Eigenkapital liefe, sondern – „ungeschickt“ – über die GuV, dann würde der aktuelle Jahresüberschuss – unsachgemäß und die tatsächliche Ertragslage verfälschend – in die Höhe schnellen. In diesem Fall würde man dann in der Presse wohl auch von "geschickter Buchführung" sprechen.

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