Quartalszahlen
Adecco steckt tief in der Verlustzone

Zeitarbeit ist seit Monaten nicht mehr gefragt. Darunter leiden nicht nur Hunderttausende Mitarbeiter, sondern auch die Firmen selbst. Adecco legte heute überraschend schlechte Quartalszahlen vor: Beim weltgrößten Personalvermittler hinterlässt die anhaltende Schwäche der globalen Arbeitsmärkte immer deutlichere Spuren.

ZÜRICH. Massive Umsatzeinbrüche auf allen Kernmärkten haben die weltgrößte Zeitarbeitsfirma Adecco tief in die roten Zahlen gestürzt. Das Schweizer Unternehmen weist für das zweite Quartal einen Verlust von 147 Mio. Euro aus. Im Vorjahr schrieb Adecco mit 212 Mio. Euro noch schwarze Zahlen. Wesentlich zum schlechten Ergebnis beigetragen hat die schwierige Geschäftslage in Deutschland. Der deutsche Arbeits-markt sei von der Rezession schwer getroffen worden, schreiben die Schweizer. Folglich mussten sie 125 Mio. Euro auf dem Firmenwert ihrer deutschen Tochtergesellschaft ab-schreiben.

Adecco spürt als Personalvermittler die Krise auf dem Arbeitsmarkt besonders schmerzhaft. Obwohl sich der Konjunkturhorizont aufhellt, wird die Beschäftigung nach Meinung von Ökonomen auch in den nächsten Monaten noch weiter zurückgehen. Die Arbeitslosenquote in der EU stieg im Juni zum zehnten Mal in Folge auf 8,9 Prozent. Adecco sieht noch keinen Silberstreifen am Horizont. Die Börse stieß der trübe Ausblick bitter auf. Der Kurs von Adecco brach in Zürich zeitweise um sechs Prozent ein.

Analysten bewerten das Ergebnis jedoch auch als Großreinemachen des neuen Konzernchefs Patrick De Maeseneire. Er war erst vor kurzem vom Schokoladenhersteller Barry Callebaut zu Adecco gewechselt. „De Maeseneire hat die Gelegenheit genutzt, reinen Tisch zu machen. Die Restrukturierungskosten sind deutlich höher ausgefallen als erwartet“, sagte Chris Burger vom Brokerhaus Helvea in Zürich. Überraschend hoch sind auch die Umsatzeinbrüche, obwohl Adecco betont, dass sich die Talfahrt verlangsamt hat. Der Konzernerlös sank um fast ein Drittel auf 3,6 Mrd. Euro. In Deutschland fiel der Einbruch mit einem Minus von 44 Prozent noch stärker aus. Ein wenig besser lief es dagegen in den USA und Kanada mit einem Rückgang von „nur“ 29 Prozent.

Konzernchef De Maeseneire reagiert auf die schlechte Lage mit drastischen Kostensenkungen. Dafür sind im zweiten Quartal bereits Restrukturierungskosten von 54 Mio. Euro angefallen. Im zweiten Halbjahr sollen noch einmal 40 Mio. Euro dazukommen. Adecco hat in den vergangenen Monaten bereits 2.000 Arbeitsplätze abgebaut und plant in Frankreich noch einmal 350 Stellen zu streichen. Außerdem sollen dort 100 Filialen zusammengelegt werden.

Trotz der herben Enttäuschung über das schlechte Abschneiden fühlt sich das Unternehmen aber noch stark genug, seine Präsenz in Großbritannien auszubauen. Adecco hat für den britischen Personalvermittler Spring ein Über-nahmeangebot von 62 Pence je Aktie oder insgesamt 108 Mio. Pfund vorgelegt. Durch den Zukauf würden die Schweizer in Großbritannien ihren Marktanteil von derzeit 4,7 Prozent auf nahezu sechs Prozent steigern und damit hinter Hays zur Nummer zwei auf dem britischen Markt aufsteigen.

Spring erwirtschaftete zuletzt einen Jahresumsatz von 517 Mio. Pfund und ist vor allem als Spezialist für die Vermittlung von IT-Mitarbeitern bekannt. De Maeseneire verspricht sich von der Übernahme „substanzielle Synergieeffekte“ und will den bisherigen Spring-Chef Peter Searle zum Leiter für die Region Großbritannien und Irland machen.

Torsten Riecke leitet das Ressort Meinung & Analyse. Er befasst sich vor allem mit Wirtschafts- und Finanzthemen.
Torsten Riecke
Handelsblatt / International Correspondent
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