Quartalszahlen: Amazon rutscht in die Verlustzone

Quartalszahlen
Amazon rutscht in die Verlustzone

Auch wenn die Bilanzsaison an der Börse in New York für Unruhe sorgt: Von Amazon haben Analysten weiterhin Gewinne erwartet. Doch das Unternehmen schockte nicht nur mit Verlusten im zweiten Quartal.
  • 15

Seattle/BangaloreDer starke Expansionskurs und die hartnäckige Wirtschaftskrise in Europa kommen Amazon teuer zu stehen. Der weltweit führende Internet-Versandhändler rutschte im zweiten Quartal in die roten Zahlen und rechnet auch für die kommenden drei Monate mit Verlusten.

Unter dem Strich lag das Minus im Frühjahr bei sieben Millionen Dollar oder zwei Cent pro Aktie, wie das Unternehmen am Donnerstag nach US-Börsenschluss mitteilte. Von Reuters befragte Analysten hatten dagegen mit einem Gewinn gerechnet. Im Vorjahr hatte der Ebay-Konkurrent noch einen hauchdünnen Überschuss von sieben Millionen Dollar verbucht.

Die hohen Investitionen werden nach Ansicht von Gründer und Chef Jeff Bezos im laufenden Quartal zu einem noch höheren Verlust führen von operativ bis zu 440 Millionen Dollar. Nachbörslich fiel die Aktie um 2,1 Prozent. Seit Jahresbeginn hat das Papier damit aber immer noch rund 20 Prozent zugelegt und steht nahe seines Allzeithochs von gut 309 Dollar.

Amazon nimmt das Minus allerdings bewusst in Kauf: Mit eigenen Produkten wie den Kindle-Tablets und Kampfpreisen im Sortiment versucht der Konzern, seinen Marktanteil stetig zu vergrößern. Auch der Aufbau neuer Versandzentren geht ins Geld.

Der Lohn der Mühe: Amazon wächst weiterhin rasant. Der Umsatz stieg um 22 Prozent auf 15,7 Milliarden Dollar, wie das Unternehmen am Sitz in Seattle mitteilte. Besonders stark legte dabei das wichtige Geschäft im Heimatmarkt zu, während der Ausbau des internationalen Zweigs hinterherhinkte. Für das dritte Quartal rechnet Amazon mit Umsatzerlösen zwischen 15,45 und 17,15 Milliarden Dollar. Dies wäre ein Zuwachs um zwölf bis 14 Prozent verglichen mit dem dritten Quartal 2012.

"Das internationale Geschäft war weit schwächer als erwartet und das macht sich bei der Vorhersage bemerkbar. Wir sehen Schwäche auf der internationalen Seite, die das Inlandsgeschäft nicht ausgleichen kann", sagte Scott Tilghman, Analyst bei B. Riley & Co.

Seite 1:

Amazon rutscht in die Verlustzone

Seite 2:

Welche Rolle Deutschland für Amazon spielt

Kommentare zu " Quartalszahlen: Amazon rutscht in die Verlustzone"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Amazon hat nen Imageschaden in Deutschland. Alle Gewinne nach USA abziehen, wenig Geld zahlen den Leiharbeitern, Verhinderung der Bildung von Betriebsräten, Kaputtmachen der dt. Buchhändler...
    Wen wollt Ihr stützen?
    Ich kaufe mittlerweile im Internet lieber im dt. Onlineshop ein. Mit Buchpreisbindung kostet das das Gleiche.
    Wer seine Daten in die Cloud nach USA gibt ist auch ein Idiot,wozu? Das geht in Deutschland auch.

  • "Solange jedes Jahr die Anzahl der Menschen in Millionenhöhe wächst, also die Zahl der potentiellen Konsumenten stetig größer wird, solange wird man auch in der Wirtschaft wachsen können."

    Die "Konsumenten" kommen aber zu nichts, weil diejenigen die zu fett sind, nichts mehr abgeben wollen.
    Und Wachstum um Schulden zu tilgen, wird eben mit diesem System nur bis zu einem gewissen Punkt funktionieren. Quantitatives Wachstum zu erzeugen, ist gar kein Problem, Qualität muss gefragt sein. Darüber würde ich gern mal was hören, statt dieses bescheuerte Gesülze um Wettbewerbsfähigkeit, was nichts anderes bedeutet, als Dumpinglöhne und Wachstumsabbau bei denen die sowieso nur noch den Billigmist kaufen können.
    Wer nichts kaufen kann, kann auch nicht für Wachstum sorgen. Was soll das für ein Wettbewerb sein wenn Produkte mit dem Tod aus Entwicklungsländern kalkuliert werden und man das auch noch Marktwirtschaft nennt?+
    Wettbewerb auf Augenhöhe und Hilfe zur Selbsthilfe damit sich die anderen Länder auch diesen Wettbewerb erarbeiten können. Wenn sie denn wollen, glücklich kann man auch als Selbstversorger sein, niemand braucht das exportierte, mit Pharmazeutika verseuchte Hähnchen aus Deutschland, welche nur mit Dumpinglöhnen überhaupt zu diesen Preisen verkauft werden kann. Dieses "Wachstum" braucht keine S**.
    Es ist wieder Zeit für Protektion, also der ganz normale politische Wahnsinn, 3 Schritte vor, 2 zurück.

  • Wachstum wird durch Niedrigpreise erzeugt = Verdrängungswettbewerb, bis der eine oder andere kaputt ist. Und damit der Preiskampf funktioniert werden die Löhne und Einkommen der Mitarbeiter gedrückt. Der Staat, d.h wir Steuerzahler bezahlen dies ja, Aufstocker, Subventionen an Zolando, Amazon, usw. Wie schrieb neulich einer im Handelsblatt, "Amazon bezahlt weniger Steuern, als seine Mitarbeiter als Aufstocker von der Gesellschaft (Staat) bekommen". Und ich glaube bei Zolando ist dies nicht anders. Wie gesagt Wachstum wird auf Kosten von Menschen erzeugt. Siehe auch unter anderem Bangladesch.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%