Rabatte zu 40 Prozent angeboten
Airlines kämpfen um Geschäftskunden

Der Wettbewerb um Marktanteile im Flugverkehr weitet sich aus. Im Preiskampf mit der Lufthansa nimmt die europäische Konkurrenz zunehmend lukrative Geschäftskunden in den Fokus. Die Luftfahrtallianz Oneworld um British Airways, die acht Fluglinien umfasst, startet in dieser Woche eine Deutschlandoffensive, die Geschäftskunden mit deutlichen Preisabschlägen von der Lufthansa weglocken soll.

FRANKFURT/M. Oneworld wendet sich in einer Kampagne an 15 000 Unternehmen in Deutschland und bietet Preisabschläge von bis zu 40 % an. Neben British Airways gehören zu dem Flugbündnis auch American Airlines, Iberia, Aer Lingus, Finnair und Lan-Chile. „Wir beginnen in Deutschland, werden die Aktion aber schon bald auf weitere Märkte ausdehnen“, sagte eine British- Airways-Sprecherin dem Handelsblatt. Explizit nannte sie Frankreich und Italien.

Der aggressive Wettbewerb der Fluggesellschaften macht damit auch vor den Firmenkunden nicht mehr halt. Diese gehören zur bevorzugten Zielgruppe der Linienfluggesellschaften, weil sie nicht nur höhere Preise für ihr Business-Ticket zahlen, sondern auch häufiger mit dem Flugzeug unterwegs sind.

Bei Lufthansa bringt der Premiumsektor mit rund 18 % des Passagieraufkommens rund 60 % des Umsatzes, schätzt Uwe Weinreich, Luftfahrtexperte der Hypo-Vereinsbank. Doch die Konjunkturflaute drückt nach der Economy Class nun auch die Tarife im oberen Segment der Geschäftsreisenden: „Aus wirtschaftlicher Sicht ist es für Fluggesellschaften besser, ein Business-Class-Ticket günstiger zu verkaufen, als gar keines an den Mann zu bringen“, sagt Kaveh Atrak vom Geschäftsreiseanbieter American Express Corporate Travel.

Auch die Expansion der Billigflieger macht den traditionellen Airlines zu schaffen. „Wir gehen davon aus, dass die Billigfluglinien in den Geschäftsreisemarkt eingreifen werden“, glaubt Atrak. Germanwings hat inzwischen spezielle Firmenverträge mit 146 Unternehmen ausgehandelt, die von Köln/Bonn aus zu günstigen Festpreisen fliegen können. Auch Air Berlin wendet sich mit einem flexiblen Tarif speziell an Business-Reisende. Nach Berechnungen von American Express sind die Business-Class-Tarife in Westeuropa seit Herbst erstmals seit Jahren im Sinkflug.

Die Aktion der Bündnispartner um British Airways ist der bislang massivste Vorstoß, Lufthansa wichtige Firmenreisende abzujagen. Daneben wildert auch Air France zunehmend im Revier der Deutschen. Mit aggressiven Preisen solle um Firmenkunden geworben werden, sagt deren Deutschland-Direktor Franck Thiébaut. Schon im vergangenen Jahr steigerten die Franzosen nach eigenen Angaben ihren Umsatz mit Firmenkunden um 30 %. Mit einem eigenen Programm für kleine und mittelständische Firmen legt Air France jetzt nach. Das Programm „Voyageur Rewards“ bietet Firmen 15 % Rabatt in der Business Class.

Deutschlands größte Fluggesellschaft muss sich damit neuen aggressiven Preisattacken stellen, kaum dass die in der Krise steckende Branche eine leichte Erholung ausgemacht hat. Mit einer verbesserten Business-Class und neuen, exklusiven Terminals versucht Lufthansa dagegen zu halten. Zudem will die Airline zusammen mit dem US-Luftfahrtriesen Boeing die gesamte Langstreckenflotte mit Internet ausrüsten und sich damit von der Konkurrenz abheben.

Der Wohlfühlfaktor allein wird nach Einschätzung von Branchenexperten allerdings kaum ausreichen, um die Klientel bei der Stange zu halten. Ganz kann auch Lufthansa beim Preiskampf um die Business-Kunden nicht abseits stehen. Für Flüge nach Südafrika und in die USA legte Lufthansa bereits für Frühbucher einen besonders günstigen Business-Class-Tarif auf: Auf ihrer Strecke von Berlin nach Miami bietet sie Hin- und Rückflug in der Business Class unter bestimmten Bedingungen bereits für 1 903 Euro an. Das sind rund 50 % unter dem regulären Tarif.

Die Lufthansa hatte kürzlich mitgeteilt, es gebe Anzeichen einer Erholung der Passagierzahlen. „Wir sind in der Talsohle angekommen und sehen Belebungstendenzen“, sagte der neue Lufthansa-Chef Wolfgang Mayrhuber bei seinem Amtsantritt.

Ungesundes Umfeld

Sparzwang: In den meisten Unternehmen wird angesichts der schwierigen wirtschaftlichen Situation ein harter Sparkurs gefahren. Viele Dienstreisen werden aus Kostengründen gestrichen. Wer dennoch fliegt, wird oft angehalten, die günstigere Economy Class zu buchen.

Überkapazitäten: Mit rund 270 Fluglinien ist der internationale Luftfahrtmarkt hoffnungslos überfüllt. Die expandierenden Billigflieger verstärken den Trend, dass es zu viele Flugzeuge am Himmel gibt.

Preisrutsch: Bevor die Fluglinien mit nahezu leeren Jets durch die Gegend fliegen, lassen sie lieber die Luft aus den Preisen – jetzt auch bei Firmenkunden. Das soll die Auslastung steigern, bringt aber die Margen weiter unter Druck.

Quelle: Handelsblatt

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