Rail4Chem holt als erstes privates Bahn-Cargo-Unternehmen Lizenz für Zugfahrten in Frankreich
Privatbahnen expandieren in Europa

Im europäischen Schienengüterverkehr öffnen sich langsam die bisher abgeschotteten nationalen Märkte. So plant Rail4Chem, ein Spezialist für Chemietransporte, vom nächsten Jahr an Züge des Kombinierten Verkehrs nach Großbritannien.

ek DÜSSELDORF. Die Tochter der BASF und dreier Speditionen will dabei mit eigenen Loks durch Frankreich bis zum Kanaltunnel fahren. Und die zur Deutschen Bahn gehörende Railion entwickelt einen Europa-Asien-Express, der durchgehend von Deutschland nach Istanbul eingesetzt werden soll.

In der Branche wird vor allem der Vorstoß der Essener Rail4Chem ins bislang für Privatbahnen völlig verschlossene französische Netz mit Interesse verfolgt. Geschäftsführer Matthias Raith sprach gegenüber dem Handelsblatt von „sehr kooperativen Verhandlungen“ mit den französischen Behörden.

Rail4Chem plant den Einsatz von Mehrsystemloks, die mit Strom- und Signaltechnik für das deutsche und das französische Netz ausgestattet sind. Entsprechende Loks gebe es bei Bombardier und bei Alstom; beide hätten bereits die Frankreich-Zulassung, so Raith. Er will die Maschinen vor lang laufende Güterzüge – etwa von Süddeutschland aus bis nach Calais – spannen. Dort übernehme dann die Kanaltunnelgesellschaft Eurotunnel die Züge und fahre sie bis zu einem Güterbahnhof im Süden Englands. Von dort aus würden die Sendungen per Straße weiter verteilt. Raith sieht das Angebot insbesondere als Konkurrenz zum Fährverkehr über den Kanal. Von Nürnberg bis Südengland beispielsweise könne die Bahn unschlagbare Reisezeiten von 26 Stunden anbieten.

Mehr Tempo als der LKW will auch die Railion AG auf der Langstrecke von und zum Bosporus anbieten. In einer spektakulären Testfahrt mit Sondergenehmigungen der beteiligten Bahnen fuhr ein Güterzug Anfang Mai von Istanbul nach Köln. Bis auf eine 80 km lange Etappe ohne elektrische Streckenausrüstung wurde der Zug auf der gesamten Distanz von 3 000 km von einer Siemens-Mehrsystemlok der Baureihe 189 gezogen. Die Strecke wurde in 80 Stunden zurück gelegt.

Andere Wettbewerbsfähigkeit

Zunächst einen, später zwei Shuttle-Züge pro Woche will die bei der Bahn-Logistiktochter Stinnes angesiedelte Railog in einigen Monaten vermarkten. Die Türkei exportiere in wachsendem Umfang Konsumgüter nach Deutschland, sagte Railog-Geschäftsführer Günther Ferk. Doch der Laderaum auf der Straße wird zunehmend knapp.

Bisher würde klassischer Wagenladungsverkehr betrieben, also mit Einzelwagen, die unterwegs mehrfach rangiert werden müssen. Mit den Shuttle-Zug-Konzept des Asien-Europa-Express würde die Schiene eine ganz andere Wettbewerbsfähigkeit erreichen. „Wenn alle Liberalisierungsabsichten der EU erst einmal realisiert sind, dann schaffen wir die Strecke auch in 50 Stunden“, ist sich Ferk sicher. Der LKW brauche mit zwei Fahrern mindstens vier bis fünf Tage.

Im hart umkämpften Güterverkehrsmarkt zwischen Deutschland und Italien hat die deutsche TX Logistik AG die Lizenz für den Zugbetrieb in der Schweiz erhalten. Auf der Alpentransit-Route über den Gotthard drängeln sich neben dem Platzhirschen SBB Cargo damit drei deutsche Wettbewerber: Railion und Rail4Chem sind auch schon da. „Kein Problem“, sagte TX-Vorstandschef Raimund Stüer dem Handelsblatt, „Slots auf dem Gotthard sind immer noch verfügbar.“

Das Unternehmen erwarte zudem in Kürze auch die Netzzugangsbewilligung für Österreich und werde dann verstärkt auch auf die Brenner-Route gehen. In Italien fährt TX nicht selbst: Das Geschäft besorgt Trenitalia, die Güterbahn der Italienischen Staatsbahn. Die ist 15-Prozent-Gesellschafter bei TX.

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