Rainbow Loom-Erfinder Choon Ng
Der Herr der Gummibänder

Auf Schulhöfen weben Hunderttausende Kinder bunte Gummi-Armbänder. Der Papst, Prominente und Eltern in aller Welt tragen sie. Doch der amerikanische Schöpfer bereitet sich auf einen Absatzeinbruch vor. Ein Interview.
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DüsseldorfFür seine beiden Töchter ist der plötzliche Erfolg des Vaters Fluch und Segen zugleich. Teresa und Michelle waren es, die Cheong Choon Ng vor vier Jahren auf eine Idee brachten, die auf Schulhöfen weltweit zum Hit werden sollte. Der heute 46-Jährige bastelte ein Plastikgestell, mit dessen Hilfe sich kleine Gummiringe zu Armbändern weben lassen. Ein Spielzeug mit Suchtpotenzial.

Nach dem ersten Test im Eigenheim nahe Detroit dauerte es etliche Monate, bis sich Spielzeughändler für die aus privaten Ersparnissen finanzierten Prototypen interessierten. In diesem Jahr wird Ng (sprich: „Eng“) mit Rainbow Looms „mehr als 70 Millionen Dollar Umsatz“ machen, sagt er im Interview mit Handelsblatt Online. Wie viele Millionen genau, wisse er nicht genau. Die Firma wachse einfach zu schnell.

Seine beiden Töchter (16 und 13 Jahre alt) seien stolz auf ihn und freuten sich über das Firmenwachstum. Doch für die Familie bleibe jetzt einfach wenig Zeit. Tagsüber müsse er sich um das Tagesgeschäft kümmern. Nachts im Keller entwickele er neue Produkte und telefoniere mit der chinesischen Fabrik, die den Boom erst möglich machte.

Mittlerweile arbeiteten in der beauftragten Fertigungsstätte etwa 1400 Mitarbeiter für Rainbow Loom, sagt Ng. Denn nur so sei der Hunger nach mehr Bändchen zu stoppen, seitdem selbst der Papst und die britische Herzogin Kate Middleton mit geflochtenen Gummi-Armbändern um das Handgelenk gesichtet wurden.

In Detroit selbst beschäftigt Ng etwa zwei Dutzend Mitarbeiter und stellt weiter ein. „Bislang hatten wir ein Luxusproblem“, erzählt Ng. „Jeder wollte Looms kaufen, wir mussten an keine Türen klopfen. Jetzt kühlt der Boom ab und wir stellen erstmals Vertriebsmitarbeiter ein.“

Die Rainbow-Loom-Welle schwappt seit Anfang des Jahres mit einem Jahr Verzögerung aus den USA auch nach Deutschland und in den Rest Europas. Vor allem soziale Medien wie YouTube und Facebook haben das gigantische Wachstum beflügelt. Eine riesige Fangemeinde produziert Anleitungsvideos, wie aus den Gummibändchen mit vielen Handgriffen kleine Schmuck-Kunststücke geschaffen werden können. „Wir verkaufen eine Webtechnik, die eigentlich unglaublich alt ist. Aber dank der sozialen Medien wie Facebook und YouTube haben wir unsere Bekanntheit steigern können. Ich kann nur jedem Unternehmer raten: Nutzt diese Technik, sie ist kostenlos und das Potenzial riesig“, so der erfolgreiche Gründer.

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