Rating auf der Kippe
Moody's hat Werkstattkette ATU im Visier

Der Meister gegen den Verschleiß kann die eigenen Verschleißerscheinungen nicht verbergen. Die Ratingagentur Moody's reagiert auf die horrenden Schulden ATUs und senkt die Bewertung des Unternehmens.
  • 0

FrankfurtDie Werkstattkette ATU braucht nach Ansicht der Ratingagentur Moody's noch vor dem Winter frisches Geld. Ende Juni habe das Unternehmen aus dem ostbayerischen Weiden nur noch 15,5 Millionen Euro in der Kasse gehabt, eine Kreditlinie über 45 Millionen Euro sei vollständig in Anspruch genommen worden, hieß es in einer Studie vom Mittwoch. Die US-Agentur stufte die Verbindlichkeiten von ATU um einen Rang auf "Caa3" ("Caa2") herab, die viertschlechteste Note auf der 22-stufigen Skala, und drohte mit einer weiteren Herabstufung. Die Vorbereitungen von ATU auf die Wintersaison erforderten "substanzielle zusätzliche Liquidität".

ATU kritisierte die Ratingagentur: "Wir können die Moody's-Entscheidung nicht nachvollziehen", sagte ein Sprecher. Die Liquidität reiche nach den eigenen Planungen auf jeden Fall bis zum Jahresende. "Die Bevorratung für die Wintersaison läuft plangemäß." Die neue ATU-Geschäftsführung hat sich bis Ende Oktober Zeit gegeben, den Konzern mit seinen 646 Autowerkstätten und 1,16 Milliarden Euro Umsatz finanziell auf eine neue Basis zu stellen. "Die Gespräche hierzu laufen vielversprechend. Wir haben bereits Fortschritte erzielt", sagte der Sprecher.

ATU gehört dem US-Finanzinvestor KKR und ist mit 610 Millionen Euro verschuldet. Anleihen über 593 Millionen Euro müssen laut Moody's zwischen Mai und Oktober 2014 refinanziert werden. Noch vorher droht ATU aber ein Bruch der Kreditbedingungen, nach dem die Banken das Recht hätten, ihre Kredite vorzeitig zu kündigen. Die Schulden sind an das Ebitda geknüpft, das im Geschäftsjahr 2012/13 (per Ende Juni) um 40 Prozent auf 62 Millionen Euro eingebrochen war.

KKR hatte die Kette mit mehr als 600 Werkstätten und heute 10.800 Beschäftigten 2004 vom Finanzinvestor Doughty Hanson für 1,45 Milliarden Euro übernommen. Für den Eigentümer ist ATU eine Prestige-Angelegenheit. Seine Geldgeber müssen schon jetzt damit rechnen, mit einem Verlust wieder auszusteigen.

Wie Reuters aus Verhandlungskreisen erfahren hatte, spricht KKR mit dem Finanzinvestor Centerbridge, der sich in großem Stil in die Anleihen von ATU eingekauft hat. Centerbridge will die Verbindlichkeiten zum Teil in Eigenkapital umwandeln, so dass KKR die Macht mit dem Gläubiger teilen müsste. Doch auch dann müsste KKR frisches Eigenkapital nachschießen, um die Mehrheit zu behalten. Auch die Moody's-Analysten halten es für sehr wahrscheinlich, dass es zu einem Tausch von Verbindlichkeiten in Eigenkapital kommt.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Rating auf der Kippe: Moody's hat Werkstattkette ATU im Visier"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%