Ratingagentur Scope
Ein Schlossherr, der Fragen aufwirft

Ratingagenturen sind gewohnt, auf jede Frage eine vernünftige Antwort zu bekommen. Schließlich hängt von der Qualität der Antworten ganz wesentlich auch die Ratingnote ab. Aber welche Fragen beantworten die Agenturen selbst? Die Firma Scope in Berlin, eine Ratingagentur für geschlossene Fonds, bleibt jedenfals viele Antworten schuldig.

DÜSSELDORF. 2001 gegründet, 2002 insolvent und danach neu gegründet, 2006 schon wieder in der Krise (siehe „Rating mit Hindernissen“). Jetzt versucht Scope-Gründer Florian Schoeller den dritten Anlauf in einem Markt, in dem Anleger jährlich Milliarden Euro investieren. Doch die Fragen bleiben – und die Antworten, die Schoeller parat hat, sind nicht alle überzeugend.

Ist Scope jetzt finanziell solide, nachdem zwei Tochtergesellschaft im Juli kurz vor der Insolvenz standen? Das interessiert die Finanzszene – schließlich kann nur eine gesunde Agentur glaubwürdig als unabhängig auftreten. Ja, sagt Schoeller dem Handelsblatt, die Scope Holding GmbH sei dank seiner Finanzspritze von 504 000 Euro und erneuter Umstrukturierung wieder fit. Das Rating von Zertifikaten, geschlossenen Fonds und offenen Immobilienfonds werde fortgesetzt, das der Wertpapiere allerdings eingestellt. Und woher kommt das Geld? Aus dem Privatvermögen, versichert Schoeller.

Bleiben wir beim Thema Privatvermögen: Schoeller ist seit einem Jahr stolzer Besitzer von Schloss Speck im Müritz-Nationalpark in Mecklenburg-Vorpommern. Woher stammt das Geld für diesen Kauf? Schoeller versicherte dem Handelsblatt ausdrücklich, dass seine Dachgesellschaft Scope Holding nichts mit der Finanzierung des Schlosses Speck zu tun habe. Eltern und Schwiegereltern hätten das Schloss finanziert.

Ein Handelsregisterauszug, der dem Handelsblatt vorliegt, sagt zur Gut Speck GmbH & Co. KG, die die Immobilien hält, allerdings etwas anderes: Danach hat Florian Schoeller zum Jahresende 2005 zunächst den Kommanditanteil an der Gut Speck GmbH & Co. KG um 300 000 auf 400 000 Euro erhöht und anschließend die Hälfte davon auf die Scope Holding GmbH übertragen.

Bleiben wir beim Thema Finanzen und Familie: Sind die privaten und geschäftlichen Interessen sauber getrennt? Scope ratet auch Schiffsfonds. Darunter sind einige, die der Anbieter König & Cie. zusammen mit dem Reederei-Partner Columbia Shipmanagement Ltd. aufgelegt hat. Der Chef der Reederei heißt Heinrich Schoeller – und ist mit Florian Schoeller verwandt, der darauf bei seinen Ratings mit keinem Wort hinweist. Verschwiegen hat er auch, dass sein Vater Manfred Schoeller zeitweise Berater und Geschäftsführer des Fondsanbieters Interlife war, dessen erster Fonds im Jahr 2003 von Scope benotet wurde. Der Interlife-Fonds investierte in gebrauchte Lebensversicherungen.

Diesen Vorwürfen begegnet Schoeller nur mit einem Versprechen: „Zukünftig beabsichtige ich, sämtliche Verwandtschaftsverhältnisse, soweit sie mir bekannt sind und möglicherweise einen Interessenkonflikt bergen, im Ratingbericht auszuweisen.“ Die Familie Schoeller sei weit verzweigt, setzt er hinzu.

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