Reaktion auf Kritik
Post will profitabler werden

Die Deutsche Post möchte ihren Aktionären mehr für ihr Investment bieten: Konzernchef Klaus Zumwinkel hat ein Programm zur Steigerung des Shareholder-Values und der Ertragsstärke angekündigt. Auf eine stärkere Auszahlung an die Aktionäre werde hingearbeitet.

BONN. Die Deutsche Post reagiert auf die heftige Kritik ihrer Großanleger, die dem Konzern auf der Hauptversammlung im Mai geringe Profitabilität und Intransparenz vorgeworfen hatten. Post-Chef Klaus Zumwinkel kündigte vor Analysten an, Profitabilität und Aktionäre künftig stärker in den Mittelpunkt zu stellen sowie die Transparenz zu erhöhen. Post-Finanzchef Edgar Ernst stellte außerdem eine Revision der Ergebnisprognose für das laufende Jahr in Aussicht. Nach einem deutlichen Ergebnisplus im ersten Halbjahr will Ernst „intensiv darüber nachdenken“ die Ergebnisprognose für 2007 anzuheben, wenn das dritte Quartal ebenso gut verläuft. Bislang peilt die Post ein um Sondereeffekte bereinigtes Betriebsergebnis (Ebit) von 3,6 (2006: 3,5) Mrd. Euro an. Den Löwenanteil soll mit stabilen zwei Mrd. Euro weiterhin die Briefsparte beisteuern.

Einzelheiten will die Post aber erst am 8. November anlässlich der Vorlage der Neun-Monatszahlen präsentieren. Dann werde der Konzern eine bessere Übersicht über die Zukunft des Briefgeschäfts in Deutschland haben, sagte Zumwinkel. Das Briefmonopol läuft Ende des Jahres aus. Gleichzeitig müssen neue gesetzliche Rahmenbedingungen für den Universaldienst und auch die Preisgestaltung gefunden werden.

Es sei nun an der Zeit, die inzwischen erreichte Position der globalen Stärke in Vorteile für die Anteilseigner umzumünzen, sagte Zumwinkel vor Analysten. Die Post werde daher im operativen Geschäft stärker auf Cash-Generierung und die Auszahlung an die Aktionäre hinarbeiten. Er stellte außerdem ein größeres Maß an Transparenz in Aussicht. Der Konzern wolle künftig mehr auf Vergleichbarkeit und die Konsistenz bei seinen Informationen für den Kapitalmarkt achten. Die Post werde den Umhängungen und nachträglichen Anpassungen ein Ende bereiten.

Zumwinkel reagiert mit der Ankündigung auf Kritik von Investoren. Klaus Kaldemorgen, Chef der Fondsgesellschaft DWS, mit 1,8 Prozent Anteil Großaktionär der Post, hatte vor einer Zerschlagung der Post gewarnt, sollte sie nicht rasch profitabler werden. Der Vorstand müsse die Umstrukturierung vorantreiben und Synergien aus den vielen Zukäufen der Vergangenheit heben. Michael Gierse von Union Investment, die mit 1,6 Prozent an der Post beteiligt ist, hatte kritisiert, dass bei der Post in einem nicht mehr zu tolerierenden Maße bei Schwachpunkten getarnt und getäuscht werde.

Analysten bewerteten die Entwicklung des ersten Halbjahres indessen durchweg positiv. Die Post-Aktie legte am Freitag als einer der wenigen Dax-Werte zu. Dazu trugen vor allem die über den Erwartungen liegenden Ergebnisse des zweiten Quartals bei. Während insbesondere die Sparten Express (plus 28,6 Prozent) und Logistik (plus 20,5) einen starken Ergebnisanstieg auswiesen, standen auch vor Brief (plus 3,4) und Postbank (plus 3,7) positive Werte. In den ersten sechs Monaten hat die Post das Ebit um neun Prozent auf 1,7 Mrd. Euro gesteigert. Vor Einmaleffekten betrug der Anstieg sogar 12,4 Prozent. Der Umsatz stieg um 5,4 Prozent auf 30,9 Mrd. Euro.

Im Briefbereich profitierte die Post vom Ausbau des internationalen Geschäfts. Insgesamt legte der Umsatz im ersten Halbjahr um 1,3 Prozent auf 7,5 Mrd. Euro. Das Ebit ging dagegen um 6,3 Prozent auf 949 Mill. Euro zurück. Zunehmende Konkurrenz, weniger Arbeitstage und eine Senkung der Paketpreise schlugen negativ zu Buche. Insgesamt sank das Briefvolumen um drei Prozent auf 4,1 Mrd. Sendungen. Zumwinkel bekräftigte, dass die Post um jeden Brief kämpfen werde und kündigte eine „flexiblere Preispolitik“ an. So hat die Post die Preise für Postzustellungsaufträge bereits gesenkt. Damit wurden laut Zwischenbericht Marktanteile gesichert und verlorene Kunden zurückgewonnen. Mit dem Konkurrenten Jurex hat es daraufhin die erste Insolvenz gegeben.

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