Reckitt Benckiser auf neuem Kurs
Gesundheit!

Der schwächelnde Konsumgüterkonzern Reckitt Benckiser fokussiert sich mit einer Aufspaltung stärker aufs Gesundheitsgeschäft. Zudem steht der nächste Milliardenzukauf an – denn der Markt ist lukrativ, aber hart umkämpft.
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Düsseldorf/HamburgEs wird ein bescheidenes Geschäftsjahr werden, das will Rakesh Kapoor gar nicht schönreden. Zum zweiten Mal in diesem Jahr musste der CEO von Reckitt Benckiser am Mittwoch die Umsatzprognose für den britischen Konsumgüterhersteller mit Marken wie Sagrotan, Durex-Kondomen, Clearasil und Calgon senken. Im besten Fall werde 2017 nur der Umsatz des Vorjahres erreicht, als Reckitt auf umgerechnet 11,5 Milliarden Euro kam.

Der Reckitt-Chef führt die Schwäche vor allem auf die Folgen der Cyberattacke zurück, die den Konzern im Sommer mit voller Wucht traf. „Das fundamentale Wachstum unserer Marken ist stark“, sagte er in einer Telefonkonferenz. Doch die Neuigkeit, die er dort verkündete, zeugt von tiefer sitzenden Problemen: Reckitt folgt dem derzeit bei Unternehmen angesagten Trend und spaltet sich auf. Das Geschäft mit Gesundheitsprodukten wird von den Hygiene- und Haushaltsartikeln getrennt – es entstehen zwei unabhängig operierende Einheiten.

Kapoor unterstrich, dass Reckitt an beiden Geschäften festhalten will. Sie sollen durch die Eigenständigkeit mehr Freiheit und eine bessere Wachstumsgrundlage bekommen. Doch es deutet einiges darauf hin, dass das Gesundheitsgeschäft künftig in den Vordergrund rückt. Der Reckitt-Chef wird den eigenständigen Gesundheitskonzern selbst führen, er hat das Geschäft zuvor schon zum neuen Wachstumskern erklärt. Und er könnte bald schon nach der nächsten Großübernahme greifen: nach der Sparte rezeptfreie Medikamente vom Pharmakonzern Pfizer.

Reckitt Benckiser ist 1999 aus der Fusion zweier großer europäischer Anbieter von Haushalts- und Reinigungsprodukten entstanden. Dahinter stand als Großaktionär die deutsche Unternehmerfamilie Reimann. Sie hat ihren Anteil zwar in den vergangenen Jahren nach und nach abgebaut, besitzt aber noch immer acht Prozent an dem britischen Unternehmen.

Schon damals verfügte Reckitt über eine kleine Sparte mit rezeptfreien Medikamenten und Gesundheitsprodukten. Das Geschäft wurde seither mit mehreren großen Zukäufen ausgebaut: 2006 übernahm Reckitt für umgerechnet 2,6 Milliarden Euro die Arzneisparte der britischen Drogeriekette Boots mit Marken wie dem Schmerzsaft Nurofen und dem Gesichtsreiniger Clearasil. Wenig später kam der US-Hustensaftproduzent Adams hinzu. 2012 schnappten sich die Briten den amerikanischen Hersteller von Nahrungsergänzungsmitteln Schiff, an dem damals auch Bayer interessiert war.

Der größte Wurf kam aber in diesem Jahr: Rund 17 Milliarden Dollar zahlte Reckitt für Mead Johnson, einen führenden Produzenten von Babynahrung in den USA. Damit stieg die Gesundheitssparte bei den Briten zum umsatzstärksten Bereich auf. Sie kam 2016 inklusive Mead auf einen Proforma-Umsatz von umgerechnet 7,7 Milliarden Euro, währen das Hygiene- und Haushaltsgeschäft 6,9 Milliarden Euro erreichte.

Vorstandschef Kapoor will weiter zukaufen. Am Mittwoch verkündete er Interesse an der Übernahme der Sparte rezeptfreie Medikamente von Pfizer. Der amerikanische Pharmakonzern hatte vergangene Woche dieses Geschäft ins Schaufenster gestellt – er will sich auf Entwicklung und Verkauf rezeptpflichtiger Medikamente konzentrieren. Zum Portfolio von Pfizers freiverkäuflichen Mitteln gehören die Schmerztablette Spalt, das Wärmepflaster Thermacare und Nahrungsergänzungsmittel der Marke Centrum. Die Sparte kam 2016 auf einen Umsatz von umgerechnet 3,2 Milliarden Euro.

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