Reeder in der Krise
Globale Schifffahrt sucht den sicheren Hafen

Sieben magere Jahre hat die globale Schifffahrt schon hinter sich. Und es sieht nicht so aus, als würden nun sieben fette folgen – im Gegenteil. Vor allem die Containerschifffahrt findet keinen Weg aus der Krise.

HamburgZwei Ereignisse haben in den vergangenen Tagen ein Schlaglicht auf die Lage der Schifffahrt geworfen: Die Hamburger Reederei Hapag-Lloyd musste ihren geplanten Börsengang erst verschieben, weil sich die Aktien zum angebotenen Preis nur schleppend verkauften. Dann senkte sie am Freitag die Spanne des Ausgabepreises. Wenn alles gut geht, werden die Hapag-Lloyd-Aktien nun am Freitag erstmals an der Börse notiert.

Zuvor hatte der größte Schifffahrtskonzern der Welt, die dänische Maersk-Gruppe, an ihre Aktionäre eine offizielle Gewinnwarnung herausgegeben. Sie werde in der Schifffahrt nur noch 1,6 Milliarden Dollar (1,45 Milliarden Euro) verdienen, das sind 600 Millionen Dollar weniger als zuvor erwartet.

Da drängt sich der Eindruck auf: Der Schifffahrt geht es offensichtlich nicht besonders gut. Hapag-Lloyd bemühte sich nach der Maersk-Gewinnwarnung eilends, diesen Eindruck zu zerstreuen und bekräftigte seine Prognosen. Doch das war den Investoren nicht genug; sie stornierten ihre Orders.

Schifffahrtsexperten schauen mit einem differenzierten Blick auf die verschiedenen Märkte: „Es gibt immer noch Schiffe, die gute Gewinne einfahren“, sagt ein Branchenkenner. Das können zum Beispiel Gastanker sein oder Schiffe, die Getreide nach Afrika transportieren oder Eisenerz im asiatischen Raum. Doch auch der Preis für den Transport eines Standardcontainers kann sehr unterschiedlich ausfallen, je nach Fahrtgebiet. Es ist nicht alles dunkelschwarz.

Wer jedoch einen Container von Asien nach Europa transportieren lässt, zahlt am wenigsten. Das kostet für einen 40-Fuß-Container (FEU) kaum mehr als 400 bis 500 Dollar, das ist nur ungefähr ein Fünftel des Preises auf anderen Strecken.

Die Rennstrecke von Asien nach Europa, die pulsierende Schlagader für den Transport von Textilien und Spielwaren, Unterhaltungselektronik und Schuhen, ist der billigste Transportweg der Geschichte geworden. Jede Menge Schiffe sind dort unterwegs, und sie werden immer größer. Aber weniger Waren als erwartet müssen transportiert werden – ein Grund dafür, warum die deutsche Handelsflotte seit Jahren schon immer kleiner wird.

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