Reederei-Fusion
Kühne pocht auf maßgeblichen Einfluss

Die Reedereien Hapag-Lloyd und Hamburg Süd prüfen eine Fusion als Reaktion auf die Branchenkrise. Hapag-Lloyd-Großaktionär Klaus-Michael Kühne will auch nach einem Zusammenschluss seinen Einfluss wahren.
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HamburgKlaus-Michael Kühne verlangt als Großaktionär von Hapag-Lloyd auch nach einer Fusion mit dem Rivalen Hamburg Süd maßgeblichen Einfluss. Der Milliardär ließ am Mittwoch über seine in der Schweiz ansässige Kühne Holding erklären, dass ein fusioniertes Unternehmen von mehreren Partnern getragen werden solle, „die sich auf Augenhöhe begegnen". Er widersprach zugleich der Darstellung, einen Zusammenschluss zu behindern.

„Die Kühne Maritime GmbH und Herr Kühne blockieren die Fusion in keiner Weise", hieß es in der Mitteilung. Es gebe jedoch „klare Vorstellungen von einer partnerschaftlichen Zusammenarbeit" aller Beteiligten im Rahmen der angestrebten Großreederei.

Damit deutete Kühne einen Streit unter den Eignern an, die derzeit über eine Fusion von Hapag-Lloyd mit der von der Bielefelder Oetker-Gruppe kontrollierten Hamburg Süd verhandeln. „Die in diesem Zusammenhang offenen Frage sollten gründlich erörtert werden", hieß es in der Erklärung weiter. Kühne forderte, die genauen Anteilsverhältnisse sollten erst nach der anstehenden Bewertung der Unternehmen festgelegt werden.

Die „Frankfurter Allgemeine Zeitung" (FAZ) hatte am Dienstag unter der Überschrift „Gefährliches Spiel in Hamburg" die Vermutung angestellt, Kühne suche hinter den Kulissen nach Wegen, um seinen Einfluss zu sichern. Der Anteil des Logistikunternehmers, der mit 28 Prozent zweitgrößter Hapag-Lloyd-Eigner ist, würde dem Bericht zufolge nach einer Fusion mit Hamburg Süd auf zwölf bis 15 Prozent sinken. Kühne verlöre damit sein Vetorecht.

Die beiden traditionsreichen Reedereien hatten im Dezember angekündigt, einen Zusammenschluss zu prüfen, um sich gegen die Branchenkrise zu stemmen. Wenn Ende März die Geschäftszahlen vorliegen, soll mit der Bewertung der beiden Unternehmen begonnen werden. Diese könnte dann Grundlage für die Anteilsverhältnisse an einem Gemeinschaftsunternehmen werden - vorausgesetzt, die Unternehmen einigen sich. Auf den ersten Blick hat Hapag-Lloyd mit einem Jahresumsatz von zuletzt 6,1 Milliarden Euro das größere Gewicht, trägt aber eine Nettoverschuldung von 1,8 Milliarden Euro im Gepäck. Hamburg Süd ist mit 4,7 Milliarden Euro Umsatz kleiner, hat aber kaum Schulden.

Branchenexperten halten es daher für möglich, dass Oetker bei einem Zusammenschluss Hauptaktionär wird - dicht gefolgt von der Stadt Hamburg und Kühne. Insider verweisen zudem darauf, dass die Westfalen sich bei ihren Engagements nicht mit Minderheiten abgeben. Wenn sie sich schon auf eine Partnerschaft einlassen, wollen sie auch den Hut aufhaben.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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