Reederei
Hapag-Lloyd präsentiert wieder Rekorde

Ein Jahr nach der Beinahe-Pleite steht Hapag-Lloyd wieder blendend da. Die Hamburger Reederei fährt mit Volldampf aus der Krise und meldet das beste Ergebnis der Firmengeschichte. Vor allem höhere Frachtraten und Kosteneinsparungen trugen zum Ergebnis bei.
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DÜSSELDORF. Noch im vorigen Jahr als Pleitekandidat gehandelt, in diesem Jahr ein Rekordergebnis eingefahren: Das Hamburger Schifffahrtsunternehmen Hapag-Lloyd fährt mit Volldampf aus der Wirtschafts- und Finanzkrise. Nach langer Abstinenz präsentierte die fünftgrößte Containerschiffs-Reederei der Welt gestern erstmals wieder Geschäftszahlen - laut Konzernchef Michael Behrendt "das beste Ergebnis unserer Firmengeschichte". Es ist ein reiner Rückblick, denn einen Ausblick blieb die Neun-Monats-Bilanz, die als "Konzernzwischenbericht" für die Eigentümer-Holding Albert Ballin deklariert ist, komplett schuldig.

Zukunftsperspektiven dürfe Hapag derzeit nicht beschreiben, erklärte eine Konzernsprecherin auf Anfrage den fehlenden Blick nach vorne. Das hänge mit der im Oktober begebenen Unternehmensanleihe zusammen: Bis Anfang Dezember sei es dem Konzern rechtlich untersagt, Aussagen und Prognosen über künftige Entwicklungen zu formulieren.

Nach den tiefroten Zahlen des Vorjahres schreibt Hapag-Lloyd wieder tiefschwarz: In den ersten neun Monaten wurden fast 4,7 Mrd. Euro Umsatz erreicht. Operativ erwirtschaftete der Konzern rund eine halbe Mrd. Euro Gewinn (Ebit). Die positive Entwicklung resultiere aus "deutlich über dem Vorjahr liegenden Frachtraten, höheren Transportvolumina und erheblichen Kosteneinsparungen", betonte Behrendt und verwies auf die "gemeinsamen Anstrengungen aller Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen des Konzerns".

Die ehemalige hundertprozentige Tochter des Reisekonzerns Tui war im vergangenen Jahr mitten in der Krise an das Konsortium Albert Ballin veräußert worden. Dort waren der Stadtstaat Hamburg, die Banken HSH Nordbank und Warburg, die Versicherungen Signal-Iduna und Hanse-Merkur, der Logistik-Unternehmer Klaus-Michael Kühne und Tui zusammengekommen, um den Verkauf von Hapag an einen ausländischen Wettbewerber zu verhindern. Insgesamt pumpten die Gesellschafter 1,8 Mrd. Euro in die schwer kranke Reederei. Nach viel politischem Hickhack wurde eine milliardenschwere Staatsbürgschaft gewährt, die inzwischen ohne Inanspruchnahme zurückgegeben wurde.

Was die Zukunft der Containerschifffahrt betrifft, blicken Marktbeobachter eher entspannt nach vorne. Nach dem Boom der letzten Monate gebe es zwar seit dem Abflauen des vorweihnachtlichen Transportgeschäfts jetzt eine Delle, stellt Klaus Bültje von der Vereinigung Hamburger Schiffsmakler fest. Doch eine gewisse "Ernüchterung" sei kein Grund zu neuer Alarmstimmung.

Über die positive Geschäftsentwicklung freut sich insbesondere Tui. Der Hannoveraner Konzern hatte im Krisenjahr die Hauptlast der Unterstützung von Hapag-Lloyd gestemmt. Nun kann er sich über warmen Geldsegen freuen. Noch in diesem Jahr fließt rund eine halbe Mrd. Euro zurück.

Spätestens in zwei Jahren will sich Tui von der Hapag-Beteiligung, die aus der Not des letzten Jahres heraus bis auf 49,8 Prozent angewachsen ist, vollständig trennen. Konzernchef Frenzel ist guten Mutes, potente Käufer zu finden: "Die sehr gute operative Performance der Hapag-Lloyd sichert uns alle Optionen für eine bestmögliche Verwertung unseres Investments", erklärte er.

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