Reederei
Milliardenhilfe: Berlin bürgt für Hapag-Lloyd

Land in Sicht: Die angeschlagene Hamburger Container-Reederei Hapag-Lloyd kann sich in der schweren Branchenkrise mit Staatshilfe über Wasser halten. Der Staat unterstützt das Traditionsunternehmen mit einer Milliardenbürgschaft.

ek/saf/str HAMBURG. Der Lenkungsausschuss Unternehmensfinanzierung der Bundesregierung hat am Montagnachmittag in Berlin entschieden, dem tief in die roten Zahlen gerutschten Konzern eine Staatsbürgschaft über 1,2 Mrd. Euro zu gewähren. Bevor diese Kreditsicherung wirksam wird, muss noch der Haushaltsausschuss des - noch amtierenden - Bundestages unterrichtet werden. Er wird sich am Mittwoch mit dem Thema befassen, erklärte das Bundeswirtschaftsministerium.

Die fünftgrößte Container-Reederei der Welt hatte zuvor bereits ihr Sparprogramm deutlich verschärft und von den beiden Gesellschaftern Tui (43 Prozent) und Albert Ballin eine Kapitalspritze in dreistelliger Millionenhöhe erhalten. Zusammen mit der Staatsbürgschaft komme der Hamburger Konzern jetzt erst einmal "sicher ins nächste Jahr", hieß es in Unternehmenskreisen. Die Eigentümer begrüßten die politische Entscheidung. Details über die weitere Finanzierung wollen sie erst nennen, nachdem der Haushaltsausschuss informiert worden ist.

Dort zeichnet sich bereits im Vorfeld der Sitzung erhebliche Kritik an der Bürgschaft für Hapag-Lloyd ab. Otto Fricke (FDP), Vorsitzender des Haushaltsausschusses, sieht die Hilfen "äußerst kritisch" und will die Entscheidung der alten Regierung nicht mittragen. "Es kann nicht sein, dass der Bund einem Unternehmen unter die Arme greift, obwohl das Land Hamburg als Eigentümer Zugang zum Kapitalmarkt hat", sagte Fricke dem Handelsblatt. Die Stadt ist größter Investor im Konsortium Albert Ballin.

Zwar kann die FDP die Staatshilfen für Hapag Lloyd gegen die Stimmen von Union und SPD nicht blockieren. Doch ist die Absicht politisch brisant, weil die Liberalen bald im Bund mitregieren. Fricke fürchtet, dass mit Hapag-Lloyd ein "schlechtes Exempel" statuiert werde und andere Länder zum Nachahmen ermutigt würden. Außerdem sieht er nicht die Kriterien für die Inanspruchnahme von Rettungsgeldern aus dem Deutschlandfonds vollständig erfüllt.

Wie das Bundeswirtschaftsministerium mitteilte, ist die Gewährung einer 90-prozentigen Kredit-Bürgschaft aus dem "Wirtschaftsfonds Deutschland" gemeinsam mit der Hansestadt Hamburg beabsichtigt. Dort waren die Weichen bereits vor zwei Wochen gestellt worden.

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