Reederei
Weg für Hapag-Hilfe ist frei

Gute Nachrichten für Hapag-Lloyd. Die angeschlagene Reederei erhält vom Bund eine 1,2 Milliarden Euro schwere Bürgschaft. Bis zuletzt gab es Einwände von Seiten des Bundestages. Trost für die Abgeordneten: Auch der Eigentümer Tui muss schmerzhafte Zugeständnisse machen.

Der Bund gibt grünes Licht für die 1,2 Mrd. Euro schwere Bürgschaft, mit der die angeschlagene Container-Reederei Hapag-Lloyd gestützt werden soll. Nach Informationen des Handelsblatts aus Regierungskreisen hat das Bundeswirtschaftsministerium die Unternehmensleitung und die Hapag-Lloyd-Anteilseigner bereits am Dienstag in einer schriftlichen "Zusage auf Arbeitsebene" darüber informiert, dass die Mittel aus dem Deutschlandfonds zur Verfügung gestellt werden. Damit kann das Bankenkonsortium um die HSH Nordbank nun die entsprechenden Kreditlinien zuteilen.

Nachdem der Lenkungsausschuss die Bürgschaft einen Tag nach der Bundestagswahl befürwortet hatte, waren im Haushaltsausschuss des Parlaments Bedenken laut geworden. Mittlerweile haben die Haushälter ihren Widerstand allerdings aufgegeben. Nach Informationen des Handelsblatts erheben sie keine weiteren Einwände gegen die Bürgschaft von 1,2 Mrd. Euro, obwohl nicht alle Forderungen der Bundestagsabgeordneten erfüllt werden können.

So konnten sich die Haushaltspolitiker nicht damit durchsetzen, dass die Bezüge der Vorstandsmitglieder von Hapag-Lloyd auf 500 000 Euro begrenzt werden. Aus Sicht der Bundesregierung ist auch der Einwand ohne Belang, dass die Doppelrolle der HSH Nordbank möglicherweise problematisch sei. Die Landesbank ist Teileigentümerin der Reederei und soll auch Konsortialführerin für das avisierte Darlehen werden.

Einen Erfolg erzielten die Parlamentarier dagegen mit der Forderung, dass sich die Eigentümer stärker an dem Rettungspaket beteiligen müssten. Der Touristikkonzern Tui hat sich nach schwierigen Verhandlungen mit der Bundesregierung am Wochenende bereit erklärt, Hapag-Lloyd eine selbstschuldnerische Bürgschaft im Umfang von 50 Mio. Euro zu gewähren. Diese nimmt den Geber strenger in die Pflicht als bei üblichen Bürgschaften. Ein Sprecher von Tui wollte sich auf Anfrage nicht zum Thema Hapag-Lloyd äußern.

Der Konzern ist bereits mit 2,4 Mrd. Euro bei Hapag im Boot. Die neuerliche Hilfsleistung bedeutet für das Unternehmen zunächst keine weitere Belastung, das angesichts eigener Schulden derzeit selbst an einer Verbesserung der Bilanz arbeitet. Ursprünglich wollte Tui ganz bei Hapag aussteigen. Nicht zuletzt auf politischen Druck hin entschied sich der Konzern dann für eine deutsche Lösung. Damit blieb Tui mit 43,3 Prozent an der Reederei beteiligt, die restlichen 56,7 Prozent liegen bei Albert Ballin, einem Konsortium aus verschiedenen Hamburger Adressen. Die Gesellschafter hatten bereits im Frühjahr 315 Mio. Euro in Hapag-Lloyd gesteckt. Angesichts der für dieses Jahr erwarteten Verluste in Höhe von 900 Mio. Euro haben sich die Gesellschafter zudem verständigt, weitere 923 Mio. Euro in das Unternehmen zu pumpen.

Carsten Schneider, haushaltspolitischer Sprecher der SPD, kritisierte die Bürgschaft gestern dennoch. "Es ist kein gutes Zeichen, dass mit Staatsgeldern Verluste eines Unternehmens finanziert werden", sagte er. Das müsse die Ausnahme bleiben. Insgesamt seien die Hilfen vertretbar, weil Hapag-Lloyd eine Zukunftsperspektive habe.

Hapag-Lloyd ist mit einem Umsatz von 6,2 Mrd. Euro im vergangenen Jahr die weltweit fünftgrößte Container-Reederei und durch die Wirtschaftskrise in Schieflage geraten. Zudem belasten hohe Schulden das Unternehmen, die im Zuge der Herauslösung der Reederei aus der Tui-Gruppe aufgehäuft wurden.

Sven Afhüppe
Sven Afhüppe
Handelsblatt / Chefredakteur
Jens Koenen leitet das Büro Unternehmen & Märkte in Frankfurt.
Jens Koenen
Handelsblatt / Leiter Büro Frankfurt
Klaus Stratmann berichtet als Korrespondent aus Berlin.
Klaus Stratmann
Handelsblatt / Korrespondent
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