Reedereien
Deutschland kassiert beim Fahnenwechsel ab

Der Streit um die Beflaggung des "Traumschiff" MS Deutschland hat Folgen: Melden Reeder ihre Schiffe in Deutschland, können sie mit Zuschüssen rechnen. Wer aber seine Kähne ins Ausland verlagert, soll künftig zahlen.
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HamburgVor London verzeichnete die deutsche Flagge einen Prestigesieg. Die holsteinische Reederei Deilmann sah sich nach öffentlicher Debatte gezwungen, das als offizielles Olympia-Quartier auf der Themse eingesetzte Traumschiff "MS Deutschland" weiter unter heimischer Flagge fahren zu lassen. Als Grund für die geplante Ausflaggung ins günstigere Malta hatte Deilmann die gekürzte Förderung für die Schifffahrt genannt.

Wirtschaftlich bedeutungsvoller noch ist das Ausflaggen in der Handelsflotte: Nur 571 der 3716 deutschen Handelsschiffe fuhren zuletzt noch mit schwarz-rot-goldener Flagge. Weil die Sozialauflagen strenger sind als etwa in Malta und die Kosten höher, haben in den vergangenen Jahren immer mehr ausgeflaggt.

Ändern will das ein maritimes Bündnis aus Reedern, Gewerkschaft, Bundesregierung und den Nordländern Bremen, Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen und Schleswig-Holstein. Monate des Streits sollen jetzt ein Ende haben. "Alle Beteiligten haben sich auf eine Lösung geeinigt" sagte Ralf Nagel, geschäftsführendes Präsidiumsmitglied des Verbands deutscher Reeder (VDR) dem Handelsblatt.

Unmittelbar nach der Sommerpause soll die Bundesregierung den gesetzlichen Rahmen schaffen. Der Fahrplan sieht vor, dass CDU und FDP eine Gesetzesregelung in den Bundestag einbringen. "Ich gehe davon aus, dass auch 2013 57,8 Millionen Euro Bundesmittel für die Seeschifffahrt zur Verfügung stehen werden", kündigt Eckhardt Rehberg, Bundestags-Berichterstatter der Unionsfraktion für maritime Wirtschaft, bereits jetzt an.

Offiziell stellte die Regierung im Haushaltsentwurf 2013 bisher nur 30 Millionen Euro zur Förderung der Schifffahrt ein. Doch der Haushaltsausschuss hat den Reedern nach Informationen des Handelsblatts zugesagt, dass der Bund wieder gut 60 Millionen Euro beitragen wird. Nach langem Hin und Her ist das auch in diesem Jahr der Fall, obwohl die Regierung den Zuschuss für 2012 ursprünglich komplett gestrichen hatte.

"Zur Sicherung von Beschäftigung und Ausbildung am maritimen Standort stehen dann jährlich fast 90 Millionen Euro bereit", rechnet VDR-Chef Nagel vor. Denn weitere 30 Millionen Euro kommen von den Reedern selbst.

Und das geht so: Tauscht ein Reeder künftig die deutsche Flagge gegen eine internationale, fallen deutlich höhere Gebühren als bisher an. Statt maximal 450 Euro werden im Fall größerer Schiffe beim Flaggenwechsel 12 225 Euro für die üblichen zwei Jahre fällig.

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  • Endlich mal eine gute Nachricht für die deutschen Seeleute, viel zu lange hat die Politik den Trend des Ausflaggens einfach so hingenommen!
    Natürlich müssen die Rahmenbedingungen so angepasst werden, daß alle Beteiligten davon provitieren!

  • Wann werden die Schreiberlinge es endlich begreifen,dieses Schwarz Rot Goldene Ding ist eine Flagge.Denn Schiffe werden
    Ausgeflaggt und nicht Ausgefahnt.

  • Wenn sich ein Geschäftsfeld ohne Subventionen nicht rechnet, sollten entweder die Rahmenbedingungen angepasst oder das Geschäftsfeld aufggegeben werden.

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