Reedereien
Kühne lenkt bei Hapag-Lloyd ein

Kaum eine andere Branche hat die Wirtschaftskrise so hart getroffen wie die Reedereien. Die Preise sind im Keller, kaum eine Route ist noch profitabel zu befahren. Hapag-Lloyd trifft das besonders hart. Das Unternehmen steht vor der Pleite. Dazu kommt ein interner Streit. Doch heute gab es Hoffnungszeichen. Der Hapag-Eigner Kühne lenkt ein.

HB HANNOVER. Hapag-Lloyd-Miteigner Klaus-Michael Kühne macht seine Teilnahme an der Rettung der Reederei von weiteren Zugeständnissen der ehemaligen Hapag-Mutter Tui abhängig. „Tui müsste auf einen Teil seiner Darlehen verzichten oder sie in nicht vollwertiges Hapag-Lloyd-Eigenkapital umwandeln“, forderte Kühne am Dienstag in einem Interview der Nachrichtenagentur Reuters. „Es geht um eine gute Milliarde an Schulden, die Hapag-Lloyd bei Tui hat - sie müssten von hoch verzinslichen Darlehen in bedingte Forderungen gewandelt werden“, sagte Kühne.

Zwischen Tui und dem Hapag-Lloyd-Eignerkonsortium, dem Kühne angehört, liefen bereits Verhandlungen, sagte Kühne. „Im Albert-Ballin-Konsortium gibt es dazu eine einheitliche Meinung.“ Sollte sich der Streit mit Tui lösen lassen, sei er bereit, einen überdurchschnittlichen Beitrag zur Rettung der in Schieflage geratenen Reederei zu leisten, sagte Kühne. „Das könnten um die 100 Mio. Euro sein - ein genauer Betrag steht aber noch nicht fest.“ Die Eigenkapitalspritzen der Eigner sind Voraussetzung für die Beantragung von Staatsbürgschaften. Kreisen zufolge will Hapag-Lloyd sich beim Staat um Hilfen von bis zu 1,2 Mrd. Euro bemühen.

Tui und die Investorengruppe, die die Hapag-Mehrheit im Frühjahr von dem Tourismuskonzern erworben hatte, lehnten eine Stellungnahme ab. Allerdings dürfte Tuis Bereitschaft zu hohen Zugeständnissen begrenzt sein. Der Konzern hat bereits 215 Mio. Euro Soforthilfe an Hapag gegeben und seine Bereitschaft signalisiert, sich anteilig an weiteren Geldspritzen zu beteiligen. Auch zuvor war Tui dem Konsortium entgegen gekommen, hatte einen größeren Anteil an der Reederei selbst behalten und Kredite von insgesamt 1,4 Mrd. Euro gewährt. „Wir haben weiterhin das Verständnis, dass alle Anteilseigner anteilig ihren Beitrag leisten werden“, sagte ein Tui-Sprecher.

„Es kann sein, dass ich letztlich nicht mitmache, aber mein Wunsch ist es, kooperativ zu sein“, drohte Kühne. „Ziel ist es, dass es künftig keine bevorrechtigte Schuld Hapag-Lloyds gegenüber Tui mehr ist, sondern dass sie nachrangig zu behandeln ist“, erläuterte er mit Blick auf die genannten Darlehen. „Ob man einen Teil abwertet, sie erst am Schluss bedient oder ob man sie in stimmrechtslose Vorzugsaktien oder Genussscheine wandelt, ist noch offen.“ Es müssten sowohl durch Zugabe frischen Kapitals als auch durch die Streichung „primärer Schulden“ große Schritte gemacht werden. „Gegen die derzeitige missliche Finanzstruktur mit den hohen Schulden kann man nicht genügend ansanieren.“

Einige der Hapag-Eigner hatten sich Ende Juli auf eine 330 Mio. Euro schwere Soforthilfe für Hapag geeignet. Dabei kaufen sie der Reederei einen Anteil an einem Hafenterminal ab. Zusätzliche 420 Mio. Euro wollen die Eigner noch aufbringen, um damit die Grundlage für die Beantragung von Staatsbürgschaften zu schaffen.

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