Reform der Drogeriekette
Ein neues Konzept soll Schlecker retten

Mit hohen Preisen, rumpeligen Läden und hausgemachten Skandalen hat sich das Drogerieimperium ins Abseits manövriert. Nun probt die Inhaberfamilie den Befreiungsschlag – mit harten Schnitten.
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DüsseldorfDie Revolution beginnt als Schnäppchenfest. Die Kinder dürfen sich über einen neuen Fußball freuen. Für die Eltern gibt’s ein Gläschen Gratissekt, 15 Prozent Rabatt auf alles und Klopapier zum Aktionspreis. Anschließend rückt Box-Veteran Axel Schulz zur Autogrammstunde an.

Keine Frage, wenn an diesem Donnerstag um acht Uhr morgens der neue Schlecker-Markt im schwäbischen Allmendingen eröffnet, tendiert der Glamourfaktor gegen null. Dennoch ist das Provinz-Event alles andere als Routine. Allmendingen steht für den Auftakt eines der gewagtesten – vielleicht auch verzweifeltsten – Experimente, die derzeit im deutschen Handel zu besichtigen sind. Es geht um den Umbau von Europas größtem Drogeriekonzern Schlecker – weg vom skandalumwitterten Geheimniskrämer, dem die Kunden davonlaufen, hin zum modernen Familienbetrieb. Die neue Filiale soll dafür den Weg ebnen. Nach ihrem Muster wird Schlecker allein in diesem Jahr Hunderte weiterer Läden umgestalten. Bewährt sich das Konzept, will der Konzern in kürzester Zeit das komplette Filialnetz umrüsten und damit die Umsatzerosion der vergangenen Jahre stoppen.

Der Druck ist gewaltig. Innerhalb weniger Monate ließ die Familie erstmals externe Berater ins Unternehmen, schloss einen Tarifvertrag mit der Gewerkschaft Verdi ab, tauschte das alte Schlecker-Logo in einen geschmeidigeren Schriftzug und krempelte die Führungsspitze komplett um. Gleichzeitig leitete Unternehmensgründer und Alleininhaber Anton Schlecker den Generationswechsel ein. Seine Kinder Lars und Meike haben mehr Verantwortung übernommen. So viel Veränderung gab es noch nie bei dem schwäbischen Drogerieimperium. Doch „letztlich entscheidet sich die Zukunft von Schlecker in den Filialen“, sagt Lars Schlecker. Und dort, so die Botschaft aus der Unternehmenszentrale, gehe es jetzt los. Zuerst in Allmendingen, dann überall. 230 Millionen Euro will der Konzern in den kommenden Monaten investieren. Drei Punkte bilden dabei den Kern des Runderneuerungsprogramms:

  • Der Markenwirrwarr soll verschwinden. Schlecker will den Wust unterschiedlicher Vertriebsformate von Ihr Platz-, Drospa-, XL-, XXXL- und AS-Filialen eindampfen und sich auf die Kernlinien Schlecker und Ihr Platz konzentrieren. Ihr Platz wird zum Premium-Anbieter aufgerüstet. Die traditionellen Schlecker-Märkte sollen als Nahversorger zurück zu ihren Wurzeln.
  • Verlust-Filialen werden dichtgemacht, profitable Läden umgebaut. 2011 wird Schlecker weitere Läden schließen, von 2012 an sollen Umsätze und die Filialzahl dann wieder steigen. Zugleich werden die verbleibenden Märkte des Drogeriereichs erweitert und aufgemöbelt. Piktogramme, ein Farbleitsystem, mehr Licht und breitere Gänge sollen für Übersicht selbst in verwinkelten Stadtrandbunkern sorgen.
  • Das Sortiment wird angepasst. Der Umsatzanteil margenstarker Eigenmarken soll deutlich steigen. Je nach Lage der Filiale und der jeweiligen Konkurrenzsituation fällt das Sortiment künftig auch unterschiedlich aus.
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