Regierungskreise
Berliner Flughafen wird erst 2013 eröffnet

Die Eröffnung war für den 3. Juni geplant. In Regierungskreisen schätzt man nun, dass sich das Projekt bis März 2013 verzögert. Der Aufsichtsrat tagt, gerechnet wird mit einer Ablösung von Chefplaner Körtgen.
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BerlinDer Aufsichtsrat der Berliner Flughafengesellschaft will an diesem Donnerstag über die Konsequenzen aus der geplatzten Eröffnung des Hauptstadtflughafens informieren. Das Gremium unter Vorsitz des Berliner Regierungschefs Klaus Wowereit (SPD) beendete am frühen Morgen nach mehr als zehn Stunden Beratung eine Sondersitzung. Über die Ergebnisse wurde nichts mitgeteilt.

In der Sitzung ging es um einen neuen Eröffnungstermin und mögliche personelle Konsequenzen. Völlig überraschend war der 3. Juni als Tag der Inbetriebnahme am Dienstag voriger Woche abgesagt worden. Der Grund: Die Brandschutzanlage konnte nicht rechtzeitig funktionsfähig gemacht werden.

Als mögliche Eröffnungstermine wurden zuletzt der Wechsel zum Winterflugplan Ende Oktober oder der Wechsel zum folgenden Sommerflugplan Ende März 2013 genannt. Aus dem Aufsichtsrat wurde dazu aber zunächst nichts bekannt.

In der Schusslinie standen vor allem der Flughafenchef Rainer Schwarz und sein Chefplaner Manfred Körtgen. Dem Vernehmen nach wurde über eine Ablösung Körtgens diskutiert.

Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) sprach vor der Aufsichtsratssitzung von schwerem Missmanagement. Es sei zu ergründen, inwieweit „auf bohrende Fragen des Aufsichtsrats auch in der Vergangenheit die Geschäftsführung umfassend und korrekt oder nicht umfassend und nicht korrekt informiert hat“. Sein Ministerium habe einen langen Fragenkatalog für die Sitzung des Aufsichtsrats vorbereitet, sagte der CSU-Politiker. Der Bund werde eine "kompromisslose Kontrolle des Managements ausüben". Es habe sich um "schweres Missmanagement" bei der kurzfristigen Verschiebung der Eröffnung gehandelt. Vertreter des Bundes im Aufsichtsrat ist Verkehrsstaatssekretär Rainer Bomba.

Die Probleme waren nach einem Protokoll des TÜV Rheinland schon im Februar bekannt. Die Prüforganisation warnte darin laut „Berliner Morgenpost“ (Mittwoch), dass der Eröffnungstermin nicht zu halten sei. Unmittelbar darauf entschied die Flughafenführung demnach, die Brandschutzanlage vorübergehend teilautomatisch zu betreiben. Der TÜV war für eine Stellungnahme am Mittwoch nicht zu erreichen.

Rechtlich ist der Weiterbetrieb des Flughafens Tegel nach Auskunft der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung kein Problem. „Die Betriebspflicht und die Betriebsgenehmigung enden ein halbes Jahr nach der Inbetriebnahme des Hauptstadtflughafens“, sagte Sprecherin Petra Rohland. Ein Datum sei nicht festgelegt.

Der Flughafen beschäftigt an diesem Freitag das Abgeordnetenhaus. In einer Sondersitzung will der Verkehrsausschuss Wowereit zum Stand der Dinge befragen. Ob auch die ebenfalls geladenen Flughafen-Chefs Schwarz und Körtgen erscheinen, war am Mittwoch noch offen.

Häme ernteten die Berliner unterdessen am Mittwoch bei einer Feier zum Münchner Flughafen-Umzug vor 20 Jahren. „Die einen feiern, die anderen jammern“, sagte der bayerische Finanzminister Markus Söder (CSU).

Haupteigentümer des neuen Großflughafens Berlin-Brandenburg sind die beiden Bundesländer. Der Bund hält 26 Prozent. Der Airport ist der drittgrößte Deutschlands hinter Frankfurt und München. Die beiden alten Flughäfen Schönefeld und Tegel müssen nun deutlich länger in Betrieb bleiben als vorgesehen. Die Kosten dafür dürften monatlich etwa 15 Millionen Euro betragen.

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
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Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Regierungskreise: Berliner Flughafen wird erst 2013 eröffnet"

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  • Von unseretwegen braucht er gar nicht eröffnen und kann abbrennen. Der Lärmschutz ist ja noch nicht mal ansatzweise fertig mit momentan 5 Prozent. Würde man privat so arbeiten, würde man frühzeitig Insolvenz anmelden müssen. Der Staat geht halt nicht pleite.

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