Regionalflughäfen
Fraport darf in Griechenland landen

Fraport bekommt grünes Licht für den Betrieb von 14 Regionalflughäfen in Griechenland. Für das Unternehmen ist das ein wichtiger Schritt. Denn der Konzern hatte zuletzt im Ausland wenig Glück.
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FrankfurtGute Nachrichten für Fraport-Chef Stefan Schulte: Der Flughafenbetreiber wird nach langem Zögern der Regierung rund um Ministerpräsident Alexis Tsipras wohl wie geplant den Betrieb von 14 griechischen Regionalflughäfen übernehmen können. Am Dienstagmorgen gab die Regierung die grundsätzliche Entscheidung zu weiteren Gesprächen bekannt. Die brauchen zwar nun noch ein wenig Zeit. Doch es zeichnet sich ab, dass die Entscheidung deutlich schneller fallen wird als erwartet. Eigentlich sollten die Gespräche bis November dauern. Doch Tsipras gibt offensichtlich Gas bei den von den Gläubigern geforderten  Privatisierungen, die 50 Milliarden Euro bringen sollen.

Für Fraport ist ein Zuschlag wichtig. Es wäre seit längerem mal wieder ein Erfolg bei der Expansion im Ausland. In den zurückliegenden Jahren hatte Fraport bei Ausschreibungen stets den Kürzeren gezogen. In Spanien wurden in den Augen des Managements viel zu hohe Preise gefordert, in Portugal oder Brasilien wurde Fraport von Rivalen überboten.

Das Auslandsgeschäft ist für Fraport aber wichtig, um das eigene Wachstum abzusichern. Zwar wird Fraport auch am Heimatflughafen in Frankfurt zumindest in den kommenden Jahren weiter zulegen können. Der Bau eines dritten Terminals wird demnächst starten. Doch darüber hinaus wird es für Fraport langfristig schwer werden, in der Heimat weiter zu expandieren. Experten erwarten, dass nach der Fertigstellung des dritten Terminals in Frankfurt und dem geplanten Bau einer dritten Bahn am zweitgrößten deutschen Drehkreuz in München auf absehbare Zeit kein größeres Flughafenprojekt mehr in Deutschland politisch eine Chance haben wird. Zu groß sind die Widerstände in der Bevölkerung gegen solche Infrastruktur-Vorhaben.

Also braucht Fraport-Chef Schulte das Ausland. Im vergangenen Jahr steuerte das Geschäft jenseits der deutschen Grenze bereits 37,3 Prozent zum Konzerngewinn bei. Alleine die Türkei, wo Fraport 1999 den Flughafen Antalya erworben hat, lieferte 15,2 Prozent des Gewinns. Weitere 12,8 Prozent kamen aus Peru mit dem Flughafen Lima.

Mit den 14 Flughäfen in Griechenland – darunter Airports in Touristen-Zentren wie Mykonos, Santorini, Skiathos, Rhodos, Korfu oder Kos – kann Fraport künftig auf zusätzliche 20 Millionen Fluggäste pro Jahr hoffen. Der Vertrag, der eigentlich schon längst in trockenen Tüchern war, dann aber von der Linksregierung nach ihrer Wahl zu Jahresbeginn auf Eis gelegt worden war, läuft bis 2055. Fraport zahlt für die Betreiberkonzession zusammen mit dem Konsortiumpartner Copelouzos  aus Griechenland insgesamt 1,234 Milliarden Euro. Außerdem wurden deutliche Investitionen in die Flughäfen zugesagt.

Die sind wohl auch notwendig. So wird berichtet, dass der eine oder andere Manager an den betreffenden griechischen Airports wenig begeistert über das zwischenzeitliche Veto der linken Regierung war. „Die wissen, dass dort dringend was geschehen muss und warten sehnlichst auf professionelle Partner wie etwa Fraport“, sagt ein Insider. Der ist nun offensichtlich im Anmarsch.

Jens Koenen leitet das Büro Unternehmen & Märkte in Frankfurt.
Jens Koenen
Handelsblatt / Leiter Büro Frankfurt

Kommentare zu " Regionalflughäfen: Fraport darf in Griechenland landen"

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  • Bravo Erdogan! Schlachte ruhig weiter die Kurden ab. Töte weiter Frauen und Kinder. Der Genozid an den Armeniern kann ja nur der Anfang gewesen sein. "Ironie aus"
    Thank you Herr Vendeta. You made my Day!

  • Hallo Herr Bauer,

    die von Ihnen beschriebenen Probleme kenne ich auch. Nur aus Deustchland und da heisst das öffentlicher Dienst bzw. Beamter. Die werden auch für den ganzen Tag bezahlt und sind kaum zu sprechen.

  • Da wünsche ich Fraport viel Glück! Als Freiberufler, der sein Geschäftsflugzeug selbst steuert, kenne ich die allermeisten dieser (meist) Inselflugplätze. Als erstes würde ich mir wünschen, dass die Betriebspflicht zumindest auf die Tagesstunden ausgedehnt wird. Diese Plätze sind meist nur zweimal am Tag für kurze Zeit geöffnet, wenn die Maschine aus Athen landet und wieder startet. Ansonsten Grabesstille. Die Gehälter werden aber zweifelsfrei für den ganzen Tag bezahlt. Und wenn man die Leutchen mit einer Landung etwas ausserhalb der "Betriebszeit" aufschreckt, werden sie bitterböse. Der Polizist verschwindet mit den Pässen und der Zoll will die Rettungsausrüstung aufdröseln (was sie unbrauchbar macht), um zu sehen, was da drin eventuell zollpflichtig ist. Tanken ist da sowieso unmöglich, das hat man vorauszuplanen, sonst bleibt man länger sitzen.

    Dafür gehen die Uhren auf den Inseln anders, was wiederum auch zu schätzen ist, wenn man vieeeeel Zeit hat.


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