Regionalflughäfen im Überlebenskampf
Not ready for take-off

Die Schlinge um viele Regionalflughäfen zieht sich immer weiter zu. Steuergelder dürfen bald nicht mehr fließen. Die Suche nach Investoren ist schwierig – und mancher Eigentümer taucht einfach mal unter.
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FrankfurtDer französische Premierminister Manuel Valls persönlich musste ran, um die Sorgen zu zerstreuen. Nein, er mache sich absolut keine Sorgen um den Flughafen Toulouse, erklärte er in der vergangenen Woche. Der Staat halte weiterhin 50,1 Prozent der Anteile, der chinesische Investor Mike Poon sei nur indirekt mit dem „Projekt“ verbunden.

Grund für die öffentliche verbreitete Beruhigungspille: Poon, Chef von China Aircraft Leasing, war nach Angaben des chinesischen Unternehmens über mehrere Wochen unauffindbar. Mittlerweile ist Poon vom Amt zurückgetreten. Doch die jüngste Entwicklung hat Zweifel an Poons Zuverlässigkeit genährt. Er sitzt auch dem Investor Friedmann Pacific Asset Management vor, der zusammen mit der Shandong-Hi-Speed-Gruppe im vergangenen Jahr beim Flughafen Toulouse eingestiegen ist. Der wiederum ist nicht nur der sechstgrößte Verkehrsflughafen in Frankreich, er ist zugleich der Werksflughafen für den Flugzeug-Hersteller Airbus.

Die Situation in Frankreich ist symptomatisch. Die kleineren Flughäfen in vielen Ländern Europas und nicht zuletzt in Deutschland geraten immer stärker unter Druck. Verantwortlich dafür sind gleich mehrere Faktoren. Zum einen hat die EU 2014 beschlossen, dass mit dem Ausgleich von Betriebsverlusten über Steuergelder 2024 endgültig Schluss sein muss. Das bedeutet: Bis 2024 müssen die Regionalflughäfen ein wirtschaftlich tragfähiges Geschäftsmodell finden.

Alternativ können die Betreiber, häufig Gesellschaften in kommunaler Hand, private Investoren gewinnen, die dann mit ihrem Vermögen für eventuelle Verluste geradestehen. Erste Flughäfen haben sich für diesen Weg entschieden – mit bislang eher mäßigen wenn nicht sogar fragwürdigen Erfolgsaussichten. Denn nicht nur in Toulouse müssen die Verantwortlichen um ihren Investor aus China bangen.

Auch in Lübeck wackelt die im vergangenen Jahr so groß gefeierte Rettung des dortigen Flughafens Blankensee bedrohlich. Wie in Toulouse war dort mit Chen Yongqiang ein Chinese eingestiegen. Es war bereits der zweite Privatinvestor, den die Stadt gewinnen konnte.

Der erste, der Deutsch-Ägypter Mohamad Rady Amar, war Anfang 2014 über Wochen nicht erreichbar, hatte seine Anteile aber angeblich verkauft. Wegen der ungeklärten Situation musste die Flughafengesellschaft im April 2014 sogar Insolvenz anmelden. Mit dem Hongkong-Chinesen Yongqiang und seiner Firma Puren sollte alles besser werden.

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