Regionalflughäfen in der Krise: Weeze wurde zum Standort für Großereignisse

Regionalflughäfen in der Krise
Nur „Landratspisten“ ohne Perspektive?

Weeze wurde zum Standort für Großereignisse

Tatsächlich entfallen 98 Prozent des Flugangebots dort auf diese Airline. Van Bebber weiß um diese Abhängigkeit und bekam die Folgen auch schon zu spüren. „Als Ryanair wegen der Ticketsteuer Strecken gestrichen hat, hat uns das natürlich sehr wehgetan.“ Fast drei Millionen Fluggäste hatte Weeze im Jahr 2010, als die Ticketsteuer kam, eine Million Passagiere sind also seitdem verloren gegangen.

„Aber unser Geld verdienen wir auch außerhalb des Fluggeschäfts, etwa mit der Immobilienvermarktung oder Großveranstaltungen“, kontert van Bebber: „Wirtschaftlich sind wir also nicht nur von Ryanair abhängig.“ Und nennt damit den zweiten Grund für den wirtschaftlichen Erfolg: Weeze wurde zum Standort für Großereignisse gemacht. Wie etwa das zweitägige Musikfestival Parookaville, zu dem im vergangenen Jahr 25.000 Besucher kamen.

„Unsere Lage an der niederländischen Grenze hilft uns nicht nur im Flugbetrieb. 70 bis 80 Prozent unserer Gäste bei manchen großen Veranstaltungen kommen aus den Niederlanden“, so van Bebber. Mit den Veranstaltungen würden die Menschen auch den Flughafen kennenlernen und zum Beispiel merken, dass der gar nicht abgelegen sei. „Und nutzen ihn beim nächsten Urlaub.“

Knapp 300 Kilometer östlich, in Kassel, kann Ralf Schustereder von solchen Rahmenbedingungen nur träumen. Vor genau zwei Jahren übernahm er das Ruder beim Kassel Airport – eine fast unlösbare Aufgabe. Zwar stieg die Zahl der Passagiere im vergangenen Jahr um 38 Prozent auf 65.000. Aber von den bei der Planung des Flughafenneubaus angesetzten mehr als 600.000 Fluggästen ist man hier meilenweit entfernt. 271 Millionen Euro wurden in Kassel-Calden verbuddelt – ohne Nachträge und von Beginn an begleitet von großen Zweifeln an der Notwendigkeit.

Wie oft Schustereder sich in den zurückliegenden zwei Jahren die Frage anhören musste, ob denn der Flughafen nicht besser einfach dicht gemacht werden sollte, weiß er nicht mehr. Aber Schustereder, der seine Karriere bei Lufthansa startete, ist Realist. „Die Planung war ambitioniert. Ich halte 230.000 bis 250.000 Passagiere pro Jahr in einem klassischen Tourismus-Szenario für erreichbar. Mit einer Anbindung an mindestens einen Hub wären sicherlich auch mehr als 450.000 möglich.“

Hub-Anbindung – gemeint ist damit die Möglichkeit, von Kassel zu einem der großen Drehkreuze zu fliegen. Schustereder hat da vor allem jene in Istanbul, Amsterdam und Paris im Blick. Und fast wäre eine solche Anbindung auch Realität geworden.

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