Regionalflughafen-Chefs: „Wir können uns schlecht nach China verlagern“

Regionalflughafen-Chefs
„Wir können uns schlecht nach China verlagern“

Heute trifft sich die Flughafen-Branche bei den Deutschen Luftfahrttagen. Kassel-Calden-Chefin Muller und Frankfurt-Hahn-Chef Bunk erklären, warum sie sich mehr Anerkennung wünschen – und zu Ryanair nie nie sagen.
  • 12

Maria Anna Muller und Markus Bunk sind erfahrene Flughafen-Manager. Die Kassel-Calden-Chefin erlebte ein turbulentes Eröffnungsjahr und musste bei Deutschlands jüngstem Regionalflughafen viel Kritik einstecken. Bunk wechselte im Oktober aus Dortmund zum Flughafen Frankfurt-Hahn, Ende des Jahres stimmte das Land Rheinland-Pfalz einem Sanierungskonzept für den angeschlagenen Hunsrück-Airport zu. Muller kennt sich dort bestens aus, bis 2007 war sie verantwortlich für den Vertrieb.

Handelsblatt Online: Frau Muller, es war gar nicht so einfach, einen Gesprächstermin mit Ihnen zu bekommen. Für die Geschäftsführerin eines Flughafens im „Winterschlaf“ ist bei Ihnen ganz schön viel los.

Maria Anna Muller: Wir sind nicht im Winterschlaf! Kassel-Calden ist voll in Betrieb und es fliegen jeden Tag Maschinen. Außerdem bauen wir den Flughafen weiter aus, denn wir sind ja noch lange nicht fertig, sondern erst am 4. April in Betrieb gegangen. Wir hatten bisher keinen Tag Langeweile.

Und dennoch wird Ihr Flughafen oft nicht ernst genommen.

Muller: Die Leute vermissen große Flugzeuge. Nach der Eröffnung wurde erwartet, dass wie in Frankfurt auf der Nordbahn alle drei Minuten ein großer Flieger ankommt. Das ist natürlich Wahnsinn, wir bauen gerade erst einen Flughafen auf.

Den Flughafen Frankfurt-Hahn dagegen gibt es schon seit 20 Jahren. Unter den Billigflughäfen gehören Sie zu den Pionieren. Im Dezember mussten Sie ein Sanierungskonzept ausarbeiten – haben Sie jetzt endlich Zeit zum durchatmen, Herr Bunk?

Markus Bunk: Das Sanierungskonzept hat der Aufsichtsrat in seiner Sitzung im Dezember beschlossen und uns mit der Umsetzung beauftragt. Zeit zum Durchatmen ist keine. Wir stecken mitten in der Umsetzung und es gibt immer etwas zu tun – vor allem für mich, da ich erst ein paar Tage im Job bin.

80 Stellen wollen Sie bis 2018 abbauen. Schrumpf Ihr Flughafen unter dem Sparkurs?

Bunk: Uns geht es darum, das Ergebnis zu verbessern. Viele Kollegen werden jetzt leider zu spüren bekommen, dass sie von dem erarbeiteten Konzept betroffen sind. Die Umsetzung wird anstrengend. Darüber nur zu sprechen ist etwas anderes als es dann auch zu tun.

Vor allem dürfte dieses Jahr nicht einfacher werden. Die Diskussion über das nationale Luftfahrtkonzept ist in vollem Gange. Zum Jahresanfang wurden Sie von Seiten der Politik scharf attackiert. Grünen-Fraktionschef Anton Hofreiter sagte beispielsweise: „Damit könnte die unkoordinierte und ruinöse Flughafenplanung in den Ländern endlich der Vergangenheit angehören. Insbesondere die kostspieligen Regionalflughäfen könnten neu sortiert werden.“ Wie kommt das bei Ihnen an?

Muller: Kritik ist schnell geäußert, man muss aber auch mal schauen, wo wir herkommen. Regionalflughäfen gibt es schon immer. Diese haben immer schon einen mehr oder weniger bescheidenen Verkehr abgewickelt –wie das für die jeweilige Region notwendig war. Diese Flughäfen waren noch nie die „Cashcows“ der Nation. Das hat sich gedreht, seitdem London-Heathrow privatisiert wurde. Danach galt Flughafen gleich „money making“, „Cashmashine“, „successfull“ und „sexy“ – und immer mehr deutsche Flughäfen sagten: „Wir verdienen auch Geld, wir gehören auch dazu“.

Kommentare zu " Regionalflughafen-Chefs: „Wir können uns schlecht nach China verlagern“"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Infrastruktur ist wichtig, aber nur wenn sie genutzt wird. Sehen Sie doch mal den Flugplan von Kassel Calden an, ein einziger Witz. Da wäre das Geld in andere Infrastrukturmaßnahmen viel sinnvoller investiert. Und nenne Sie doch bitte einen einzigen Betrieb außer dem Flughafenrestaurant, der dort wegen des Flughafens entsanden ist.

  • Die Ausflüchte von Frau Muller sind unerträglich zu lesen. Wo sind denn Flüge nach Mallorca und Antalya für Geschäftsreisende wichtige Verbindungen? Und Ergebnisse nach Dekaden vorzeigen zu wollen, zeigt doch die Unbeholfenheit dieses Projektes und seiner Mentoren. Für derartige Verschwendung von Steuergeldern sollten die Verantwortlichen zur Rechenschaft gezogen werden. Leider sind die Grünen immer nur groß in Forderungen, wenn sie in der Opposition sind. Hier hätten sie die Gelegenheit, Frau Muller mit dem Bade auszuschütten.

  • Das sollten Sätze der Erkenntnis sein:
    Zitat-Muller: "...Und mittlerweile verdienen in Deutschland ja auch nur noch zwei, drei Flughäfen Geld. Der Hype ist vorbei."
    Gibt es zuviele Regio-Airport's, oder sind es nur die Standorte bzw beides???
    Also, die Subventionen aus Steuergeldern können eingespart und oder sinnvoll eingesetzt werden!!! Ob Zweibrücken/Saarbrücken, Kassel-Calden/Paderborn-Erwitte und andere Regionalflughäfen liegen zu eng zusammen. Das sind alles nur Prestige-Projekte der B-länder untereinander, anstatt miteinander sich gegenseitig zu helfen. Bsp.: Kassel hat einen bedeutenden ICE Bahnhof, aber Paderborn nicht!!! Hier hätte man nur Gemeinsamkeiten finden können bzw. sollen. Was hätte das an öffentlichen Geldern gekostet??? WENIGER als Airport Kassel bis jetzt und in Zukunft bestimmt!!! Dieses Geld fehlt in der komunalen Restaurierung der Straßen, usw...

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%