Regionalversorger erwirbt weitere Anteile und weist die Kritik an der Partnerschaft zurück
EWE kontrolliert Verbundnetz Gas

Der Oldenburger Regionalversorger EWE wird künftig die Verbundnetz Gas AG (VNG) kontrollieren. Zudem hat sich EWE Anteile von Statoil und die BEB Erdgas und Erdöl GmbH gesichert.

juf DÜSSELDORF. Nachdem das Unternehmen am Montag den Zuschlag für ein 32-%-Aktienpaket des Eon-Konzerns erhielt, hat es sich inzwischen auch die Anteile der norwegischen Statoil sowie des Joint Ventures von Exxon Mobil und Shell, BEB Erdgas und Erdöl GmbH, gesichert. Insgesamt hält EWE 48 % an VNG. Gleichzeitig schloss sie mit ostdeutschen Kommunen, die 26 % der VNG-Anteile besitzen, einen Konsortialvertrag, der den Partnern die unternehmerische Führung des Unternehmens sichern soll.

„EWE und VNG werden die ’Fünfte Kraft’ auf dem deutschen Energiemarkt“, betonte der Vorstandsvorsitzende des Regionalversorgers, Werner Brinker, am Dienstag. Gemeinsam setzen die Unternehmen 5,6 Mrd. Euro um und werden rund 3 900 Mitarbeiter beschäftigen. Pro Jahr verkaufen sie rund 13 Mrd. Kilowattstunden Strom und 198 Mrd. Kilowattstunden Gas.

Es entstehe ein Versorger, der die gesamte Palette vom Bezug über den Transport bis hin zur Verteilung von Energie abdecke, sagte Brinker. Die EWE könne über die VNG auf Gasimporte aus Norwegen und Russland zugreifen. Sie selbst biete eine gute Vertriebsstruktur bis hin zum Endkunden und bringe auch ein umfangreiches eigenes Gasgeschäft in die Partnerschaft ein. „Gehen Sie davon aus, dass wir die Power haben, um die VNG weiter zu entwickeln“, sagte Brinker.

Er reagierte damit auf die Kritik von Konkurrenten, EWE könne der VNG keine strategischen Perspektiven bieten. Das Bundeswirtschaftsministerium hatte verlangt, dass Eon beim Verkauf seines VNG-Aktienpakets einen „strategischen Investor“ findet. Im Gegenzug für die Genehmigung der Fusion mit Ruhrgas, musste sich Eon von einer Reihe an Beteiligungen trennen – unter anderem der VNG. Mitgeboten hatten Gaz de France (GdF), die norwegische Statkraft und das Konsortium aus der BASF-Tochter Wintershall und dem russischen Branchenriesen Gazprom.

Die EWE bezahlt für das VNG-Paket 960 Mill. Euro. Einen Teil davon wird der Versorger über einen Kredit finanzieren. Die Übernahme sei für die EWE aber gut zu stemmen, sagte Brinker. Immerhin habe man in den vergangenen Jahren jährlich rund 400 Mill. Euro investiert.

Offenbar hat die EWE deutlich mehr geboten als die Konkurrenten. „Wir hätten unsere Beteiligung gerne erhöht, aber nicht um jeden Preis“, sagte Reinier Zwitserloot, Vorstandsvorsitzender der Wintershall AG. Als Anteilseigner kenne man den Wert des Unternehmens recht gut. Näher wollte er die Entscheidung für EWE nicht kommentieren. Unlängst hatte sich der Wintershall-Chef im Gespräch mit dem Handelsblatt noch schärfer geäußert und die Art und Weise kritisiert, wie Eon die Auflagen aus der Ruhrgas- Fusion abarbeitet. Die Vormachtstellung des Konzerns auf dem Gasmarkt werde nicht aufgebrochen, hatte er gesagt.

Offenbar kann die Wintershall mit der jetzigen Lösung aber besser leben, als wenn die VNG an den ausländischen Mitbieter GdF gegangen wären. Die VNG habe keine eigenen Gasquellen und sei damit auch künftig auf Wintershall und Gazprom als Partner angewiesen, hieß es gestern in Branchenkreisen.

„Wir sind und bleiben Anteilseigner der VNG“, stellte ein Wintershall-Sprecher klar. Die BASF-Tochter hält 15,8 % der VNG-Anteile, Gazprom 5,3 %. Wintershall werde die Entwicklung der VNG weiter mit gestalten, kündigte der Sprecher an. Auch die GdF hat bereits signalisiert, dass sie ihre 5,3-%-Beteiligung behalten will. Unklar ist noch, wie sich der Aufsichtsrat der VNG künftig zusammensetzen wird. Bisher ist die Anzahl der Sitze, die ein Großaktionär erwerben kann, begrenzt. Ein EWE-Sprecher betonte aber, dass die Stimmenmehrheit für EWE und die ostdeutschen Kommunen sichergestellt sei.

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