Regulierung gelockert – Einheimische Billigflieger mischen den Markt auf
Indien lockt internationale Airlines

Indiens Luftverkehrsmarkt wird für internationale Konzerne immer interessanter. Billig- Airlines rollen an den Start, heizen die Nachfrage nach neuen Flugzeugen an und krempeln den Markt um. So gab die neu gegründete Kingfisher Airlines gerade den Kauf von zwölf Airbus A 320 bekannt.

BOMBAY. Auch in den internationalen Verkehr von und nach Indien kommt Bewegung. Die Deutsche Lufthansa, Europas führende Fluglinie auf Indien-Strecken, will ihre Dominanz durch ein im August geschlossenes Abkommen (Code Sharing) mit der staatlichen Air India ausbauen. Zudem sollen die Verbindungen zwischen Deutschland und Indien aufgestockt werden. Ab Oktober wollen die Partner außerdem ihre Meilenprogramme für einander öffnen.

Beim Blick auf Indien liebäugelt die Star Alliance unter Führung der Lufthansa ebenso wie die Konkurrenten Oneworld und Skyteam mit Indiens führender Billigfluglinie Jet Airways. „Angesichts unserer guten Marktposition will jeder mit uns kooperieren“, sagt Wolfgang Prock- Schauer. Der CEO von Jet Airways will derzeit aber keiner Allianz beitreten. „Wir brauchen Partner“, gibt er zu, „aber wir suchen uns für jeden Markt den jeweils besten“, beschreibt er Jets Strategie. Die Airline kooperiert bei Meilenprogrammen bereits mit British Airways und Air France- KLM. Verhandlungen mit der Lufthansa laufen. Sehr bald will Prock-Schauer auch mit den Deutschen einen Vertrag zum Durchchecken und Meilensammeln unter Dach und Fach haben.

Bis 2003 war der Österreicher Vizepräsident bei Austrian Airlines und bei der Star-Alliance als Chairman für Allianzen zuständig. Diese Erfahrung kommt ihm beim zweiten großen Trend neben dem der Billigflieger zugute. Indiens erfolgreiche Privatfluglinien Jet und Air Sahara, bislang auf den Binnenmarkt beschränkt, mausern sich zu internationalen Gesellschaften. Seit die neue Regierung die Regeln gelockert hat, fliegen beide die Nachbarländer Nepal und Sri Lanka an. Jet hat die ehrgeizigsten Pläne: Sie will ihr eng geknüpftes Inlandsnetz um weitere Auslandsstrecken erweitern.

„Der nächste große Schritt wird die Expansion nach Südostasien“, kündigt Prock-Schauer an. Er ist überzeugt, dass Privatfluglinien bald – wie seit langem versprochen – grünes Licht für Flüge in Asean- Länder bekommen. Pläne für die Strecken nach Bangkok, Kuala Lumpur und Singapur liegen fertig in der Schublade. Fallen die Regulierungshürden, soll langfristig der europäische Markt entwickelt werden mit London als Fokus. Irgendwann will Jet auch direkt in die USA fliegen.

Anders als die staatliche Konkurrenz mit ihren zu kleinen und veralteten Flotten und ihrer unwirtschaftlichen Kostenstruktur operieren Jet und Sahara auf internationalem Niveau. Ihr Eintritt ins Auslandsgeschäft verändert den Wettbewerb. Denn die Schwäche von Air India und Indian Airlines hat es ausländischen Anbietern wie Lufthansa, Emirates oder Singapore Airlines erlaubt, zwei Drittel des internationalen Flugmarkts von und nach Indien zu erobern. Künftig werde ein Teil des Geschäfts zurück in indische Hände fallen, sagt Prock-Schauer – nicht nur an Jet. „Auch Air India und Indian Airlines werden ihr Produkt schrittweise verbessern. Das begrüße auch die Konkurrenz. Denn die Schwäche der staatlichen Anbieter, die ohne Schutz nicht wettbewerbsfähig wären, verhindere eine Deregulierung der Branche.

Quelle: Handelsblatt
Oliver Müller
Handelsblatt / Korrespondent
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