Reinhold Würth
Keine Angst vor Amazon

Amazon ist schnell, doch in manchen Bereichen ist Würth noch schneller: Reinhold Würth, Gründer des weltgrößten Händlers von Befestigungs- und Montagetechnik, verrät, warum er keine Angst vor dem Internetgiganten hat.
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StuttgartDer weltgrößte Händler von Befestigungs- und Montagetechnik hat keine Angst vor dem Internetgiganten Amazon. „Wir liefern innerhalb von zwei Stunden auf jede Baustelle, einfach, weil wir so ein dichtes Vertriebsnetz haben. Das schafft Amazon nie. Da sind wir ganz entspannt“, sagte Reinhold Würth im Interview mit dem Handelsblatt (Freitagsausgabe). Doch bei allem Erfolg müsse das Management wachsam bleiben, mahnt Würth. Selbst bei einer Gewinnmarge von rund 15 Prozent und 45 Prozent Eigenkapitalquote müsse das Unternehmen „immer aufpassen, dass es ihm nicht zu gut geht.“

Die Unternehmerlegende Würth zog anlässlich seines 80. Geburtstages Bilanz im Handelsblatt. „Vielleicht kommt es im Leben darauf an, dass man sich frühzeitig Netzwerke schafft – in einem ganz positiven Sinne“, sagte Würth. Gegenseitiges Vertrauen sei einfach sehr wichtig. Auch Transparenz. „Ich habe lange Zeit ,Bank-Briefe' geschrieben, die den Instituten immer unsere aktuellen Eckdaten präsentierten. Da wurde nix beschönigt“, betont Würth. Das zahle sich noch heute aus. Deshalb sei er sehr stolz auf das A-Rating bei Standard & Poor’s. Wenn Würth eine Anleihe über 500 Millionen Euro begebe sei die in wenigen Stunden vielfach überzeichnet.

Würth, der vor einigen Jahren einen Strafbefehl über 3,5 Millionen Euro akzeptierte und 40 Millionen Euro Steuern nachzahlte, hat allerdings einen Seitenhieb für den Staat parat. „Das Verfahren war für den Staat am Ende ein Schuss in den Ofen“, betont Würth. Nach der Steueraffäre habe das Unternehmen sehr viel bereinigt, mehrere Obergesellschaften schlicht geschlossen – und dadurch wiederum Steuern gespart. „Ich hab nie einen Cent Schwarzgeld besessen. Bei mir ging es nur um interne Verrechnungen“, sagte Würth. Wenn er sehe, dass es heute hunderte von Selbstanzeigen von Leuten gibt, die Schwarzgeld gebunkert haben, dann fühle er sich unfair behandelt.

Was Würth anpackt scheint zu Geld zu werden. Die Firmensammlung besitzt inzwischen 16.000 Kunstwerke. Mit der Wertentwicklung zeigte sich der Unternehmer, der zu den reichsten Deutschen zählt, zufrieden. Selbst seine 85-Meter-Jacht sei kein Verlustgeschäft. „Am Ende ist auch diese Jacht weniger Spielzeug als Geldanlage“, sagte Würth. Die Lieferzeiten für solche Schiffe lägen zur Zeit bei teilweise fünf Jahren. Deshalb könne eine gebrauchte Jacht noch genauso teuer verkauft werden, wie eine neue.

Martin-Werner Buchenau
Martin-W. Buchenau
Handelsblatt / Korrespondent

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