Reise- und Handelskonzern
Arcandor droht Überschuldung

Die Lage beim Essener Arcandor-Konzern ist deutlich kritischer als bislang angenommen. Ein Gutachten, das die Wirtschaftsprüfer von Pricewaterhouse-Coopers (PwC) im Auftrag der Bundesregierung angefertigt haben, bescheinigt dem ehemals unter Karstadt-Quelle firmierenden Unternehmen nur noch geringe Überlebensfähigkeit.

DÜSSELDORF. "Von dem kreditgebenden Konsortium wurde uns für Arcandor eine Ein-Jahres-Ausfallwahrscheinlichkeit von 20 Prozent mitgeteilt", heißt es in dem Papier, das dem Handelsblatt exklusiv vorliegt. Entsprechend hoch wäre im Falle einer Staatsbürgschaft die Gefahr, dass der Steuerzahler bereits in den ersten zwölf Monaten zur Kasse gebeten würde.

Nachdem der Konzern bereits eine Sonder-Bürgschaft aus dem Deutschlandfonds beantragt hatte, schickte er in der Nacht auf Freitag einen Antrag auf staatliche Rettungsbeihilfe an die Bundesregierung und die EU-Kommission. Arcandor will über die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) einen Kredit in Höhe von 437 Millionen Euro, wie das Unternehmen am Freitag mitteilte.

Das Management des angeschlagenen Konzerns hat im Kampf um Staatshilfe offenbar nicht alle Karten auf den Tisch gelegt. Anders als am Mittwoch von Arcandor-Finanzvorstand Rüdiger Günther dargestellt, besitzt Arcandor offenbar keineswegs mehr ein Eigenkapital von rund 1,2 Mrd. Euro. Denn seit dem letzten Konzernabschluss im September 2008 hat sich der Bestand laut PwC-Gutachten auf 177 Mio. Euro reduziert.

Dem PwC-Papier zufolge rutschte der Betriebsgewinn (Ebit) von Oktober bis März auf minus 360 Mio. Euro. Unter dem Strich lag der Verlust bei 603 Mio. Euro, nach einem Minus von 256 Mio. Euro im Vorjahreszeitraum. Ein Arcandor-Sprecher wollte die Zahlen nicht kommentieren. Sie sollen erst am 18. Juni veröffentlicht werden.

Wie die beauftragten Berater der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft in dem 80-seitigen Papier aufzählen, wären von einer Insolvenz des Essener Handels- und Touristikkonzerns 35 348 Mitarbeiter betroffen. Konzernchef Karl-Gerhard Eick hatte bei seiner in Berlin vorgetragenen Bitte um Staatshilfe dagegen immer vor dem Verlust von 50 000 Jobs gewarnt.

Ein Sprecher erklärte dazu, man habe stets die Gesamtzahl der in Deutschland beschäftigten Konzernmitarbeiter genannt. Tatsächlich aber sind die rund 4 800 Beschäftigten der Konzernbeteiligung Thomas Cook keineswegs von der Insolvenz bedroht. Zudem sieht das von Konzernchef Eick vor einigen Wochen angekündigte Sanierungsprogramm ohnehin einen Stellenabbau von rund 10 000 Mitarbeitern vor.

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