Reise- und Handelskonzern
Arcandor: Insolvenz droht schon morgen

Die Zeit drängt: Heute treffen sich der Arcandor-Vorstandsvorsitzende Karl-Gerhard Eick und Metro-Chef zu einem Krisengespräch über die Zukunft des Essener Reise- und Handelskonzerns. Eick sucht fieberhaft nach einem Ausweg. Denn schon am Montag könnte Arcandor gezwungen sein, Insolvenz anzumelden.

HB ESSEN. Wenn die Bundesregierung den beantragten Notkredit von 437 Millionen Euro am Montag ablehne, müsse Arcandor noch am gleichen Tag Insolvenz anmelden. "Dann bleibt uns keine andere Wahl", sagte Arcandor-Sprecher Gerd Koslowski am Wochenende. Ohne staatliche Hilfszusage werde Arcandor am kommenden Freitag zahlungsunfähig. Dann läuft ein 650-Millionen-Euro-Kredit aus.

Die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi ist alarmiert. Sie hat Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) eindringlich Appell zu staatlichen Hilfen zum Erhalt der Arbeitsplätze beim angeschlagenen Handelskonzern Arcandor noch an diesem Montag aufgefordert. „Ohne die Hilfe der Politik geht es nicht. Die Rettungsbeihilfe muss am Montag kommen“, verlangte die stellvertretende Gewerkschaftsvorsitzende Margret Mönig-Raane am Sonntag zusammen mit Betriebsräten. Ansonsten sei eine Insolvenz nicht abzuwenden. Karstadt-Mitarbeiter haben derweil im Ringen um staatliche Hilfen für ihren Mutterkonzern Arcandor am Sonntag symbolisch des Karstadt-Stammhaus in Wismar besetzt.

Die Zahlungsunfähigkeit soll bei einem Krisentreffen in letzter Minute abgewendet werden. Der Vorstandsvorsitzende Karl-Gerhard Eick werde sich am Sonntag mit Metro-Chef Eckhard Cordes und dem Deutschland-Chef der Investmentbank Goldman Sachs, Alexander Dibelius, treffen, sagte Koslowski. Goldman Sachs ist Haupteigentümer der Immobiliengesellschaft Highstreet, der die meisten Karstadt-Warenhäuser gehören. Die Bundesregierung ist nicht an den Gesprächen beteiligt. Karstadt zahlt Medienberichten zufolge seit Freitag keine Miete mehr.

Cordes sieht bei einer Übernahme der Karstadt-Filialen durch Kaufhof für fast alle davon betroffenen Mitarbeiter eine "sichere Zukunft". In der "Bild am Sonntag" schlug Cordes einen "Rettungspakt für Arbeitsplätze" vor. "Dafür bringen zunächst wir den profitablen Kaufhof und ein erfolgreiches Kaufhaussystem ein. Dann müssten die Vermieter der Immobilien - in welcher Form auch immer - helfen. Die Serviceleister, zum Beispiel in der Logistik, müssten Kosten senken, um die Logistik der Karstadt-Häuser so günstig aufzustellen wie bei unserem Kaufhof."

Selbst die 5 000 Mitarbeiter, die von der Schließung von 30 Karstadt-Filialen theoretisch betroffen wären, müssten nicht sofort "Job-Verlust und Arbeitslosigkeit" befürchten. Cordes: "Sollte es zu konkreten Verhandlungen über die Rettung der Karstadt-Warenhäuser kommen, schlagen wir die Schaffung einer Transfer- und Sicherungsgesellschaft vor."

Cordes sagte der Zeitung, er halte eine Rettung von Karstadt auch ohne Insolvenz für möglich. Er bot der Politik und Karstadt einen Vierstufenplan an. Wenn alle mitmachten, sei "in etwa zwei Monaten eine Lösung zur Rettung der Karstadt-Häuser und zur Bildung einer Warenhaus AG" machbar. Bis dahin sei eine "Notüberbrückung" gerechtfertigt, damit Karstadt "überhaupt verhandlungsfähig ist". Der Metro-Chef will beim heutigen Krisengespräch von Arcandor Klarheit über den angestrebten Weg zur Rettung der Karstadt-Warenhäuser. "Dabei sollten Eigentümer und Management von Arcandor erläutern, welcher Lösung - Staatshilfe oder der privatwirtschaftlichen Option - sie den Vorzug geben", sagte

Seite 1:

Arcandor: Insolvenz droht schon morgen

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%