Reisebranche fordert längere Arbeitszeiten
Tourismus-Arbeitgeber kündigen Tarifverträge

Ungemütliche Zeiten für die rund 40 000 Mitarbeiter der deutschen Touristik-Unternehmen: die Arbeitgeber wollen mehr Arbeit für gleiches Geld durchsetzen.

ebe/Reuters DÜSSELDORF. Die großen deutschen Touristik-Unternehmen haben ihren Mitarbeitern ungemütliche Zeiten angekündigt. Die Tarifgemeinschaft des Deutschen Reisebüro- und Reiseveranstalterverbands (DRV) teilte gestern mit, dass die Gehalts- und Manteltarifverträge wegen der weiterhin schwierigen Lage der Reisebranche frühzeitig zum 31. Dezember 2004 gekündigt worden seien.

Die Arbeitgeber wollen dabei eine Öffnung der 38,5-Stunden-Woche nach oben durchsetzen: „Wir brauchen generell flexiblere Arbeitszeiten und je nach Betrieb auch die Möglichkeit für eine durchschnittlich höhere Wochenarbeitszeit“, sagte ein Sprecher der Tarifgemeinschaft. Außerdem müsse es die Möglichkeit geben, in wirtschaftlich schwierigen Zeiten Urlaubs- und Weihnachtsgeld zu reduzieren oder auch zu streichen.

Betroffen sind nach DRV-Angaben rund 40 000 Beschäftigte, darunter in erster Linie die europäischen Marktführer Tui und Thomas Cook. Auch bei der Lufthansa laufen derzeit Verhandlungen über neue Tarifverträge, die Konzernchef Wolfgang Mayrhuber unter dem Motto „Mehr Arbeit für gleiches Geld“ zusammenfasst. In erster Linie wegen des stürmischen Wachstums der Billigflieger hat Mayrhuber dem Kranich-Konzern einen harten Sparkurs verordnet: Bis Ende 2005 sollen die Kosten um 1,2 Mrd. Euro gesenkt werden. Die Tarifpartner fürchten, dass der Lufthansa-Vorstand zusehends Verkehr aus dem Konzern auf günstigere Partner-Airlines verlagert, um das kriselnde Europageschäft in den Griff zu bekommen.

Auch beim Reisekonzern Tui halten die Sparprogramme an. Der Konzern bestätigte gestern Pläne, in der Buchhaltung ein Viertel der 320 Stellen zu streichen sowie Teile nach Ungarn und damit erstmals in ein Niedriglohnland zu verlagern. „Wir müssen in jedem Fall wegkommen von den alten, starren Strukturen“, sagte ein Tui-Sprecher. Zwar würde der Aufschwung in der Branche anhalten, hieß es. Man habe das Rekordniveau früherer Jahre jedoch noch längst nicht wieder erreicht.

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