Reisebüros liefern sich künftig Konkurrenzkampf um Service-Gebühr für Flugtickets
Furcht vor dem Dumping-Wettbewerb

Konsumflaute, Konkurrenz im Internet, Billigflieger und nun noch die „Nullprovision“ bei Linienflugtickets – für die deutsche Reisebürobranche wird es immer schwieriger, Geld zu verdienen. Das ohnehin über die Jahre schrumpfende Gewerbe der Reisevermittler, das nicht mit üppigen Margen gesegnet ist, wird – darin sind sich alle Fachleute einig – weitere Marktbereinigungsprozesse durchlaufen.

DÜSSELDORF. Wie viele der knapp 14 000 Unternehmen am Ende übrig bleiben, ist selbst für Branchenkenner schwer abzuschätzen.

Klappern gehört zum Handwerk: Als die Lufthansa im Frühjahr bekannt gab, den Reisebüros ab 1. September keine Provisionen mehr für verkaufte Tickets zu zahlen, malte der Deutsche Reisebüro- und Reiseveranstalterverband (DRV) eilig das Schreckgespenst vom „Reisebürosterben“ an die Wand. Der Kranich-Carrier sah das ganz anders: Rund zwei Drittel der Tickets im Weltluftverkehr würden bereits provisionsfrei über Nettotarife verkauft, stellte Lufthansa-Marketing- und Vertriebsvorstand Thierry Antinori fest: „Deutschland kann hier keine Insellösung für sich in Anspruch nehmen, wir stehen im internationalen Wettbewerb.“

Alle Versuche der Branche scheiterten, die Lufthansa und mittlerweile über 20 weitere Airlines von ihrem Vorhaben abzubringen. Auch das Kartellamt vermochte nichts Böses an der Absicht zu erkennen. Und da mag auch DRV-Präsident Klaus Laepple heute nicht mehr tief schwarz malen (siehe „Nachgefragt“). Auch Stephan Busch, Präsident des Bundesverbandes mittelständischer Reiseunternehmen (asr), will keine Existenzängste heraufbeschwören.

Gleichwohl gerät die Branche unter Druck. Mit dem Wegfall der Airline-Provisionen ab morgen beginne für die deutschen Reisebüros ein neues Zeitalter, urteilt Thomas Hartung, Chefredakteur des Branchenblattes „Travel One“: „Sie werden in den Wettbewerb entlassen. Jetzt können sie beweisen, dass sie wirklich Unternehmer sind.“ Denn künftig müssen die Büros selbst kalkulieren, was sie am Ticketverkauf verdienen können.

„Es wird ein Konkurrenzkampf zwischen Reisebüros entbrennen“, vermutet Karl Born, Ex-Tui-Vorstand und heute Professor für Tourismusmanagement an der Hochschule Harz in Wernigerode. Denn beim „Service-Entgelt“ sind durchaus Spannen drin. Zwar titelte das Touristiker-Fachmagazin „fvw international“ nach einer Umfrage unter den großen Reisebüroketten: „Unter 40 Euro geht gar nichts“. Aber die Interessenvertreter der Branche fürchten sich bereits vor einem Dumping-Wettbewerb, den möglicherweise freie Büros anzetteln könnten. Experte Hartung sieht das entspannt: „Was heißt hier Dumping: Wenn jemand knapp kalkuliert, weil er das Geschäft über die Menge machen will, warum nicht?“

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