Reisekonzern
Neue Wende im Kampf um Tui

Rückendeckung für Tui-Chef Frenzel: Der russische Stahlmilliardär Alexej Mordaschow übertrumpft den norwegischen Reeder und Frenzel-Feind John Fredriksen als größten Anteilseigner. Wie es mit der Konzerntochter Hapag-Lloyd nun weitergeht, ist auch nach dem Ende der Bieterfrist noch offen.

DÜSSELDORF. Der Machtkampf der beiden Großaktionäre um die Zukunft des Reise- und Schifffahrtskonzerns Tui geht in eine neue Runde. Kurz vor dem Ablauf der Frist für Kaufangebote für die 100-prozentige Reederei-Tochter Hapag-Lloyd gestern um Mitternacht teilte der russische Stahlmilliardär Alexej Mordaschow am Montag mit, dass er größter Einzelaktionär mit 15,03 Prozent der Tui-Aktien geworden sei. Er übertrumpft damit den norwegische Reeder John Fredriksen, der vor knapp drei Wochen einen Anteil von 15,01 Prozent bekanntgegeben hatte.

„Wir freuen uns über unsere Anteilsaufstockung, da wir dadurch unsere Position als langfristiger, strategischer Investor sowie unsere Bereitschaft für die Entwicklung des Tourismusgeschäfts der Tui AG festlegen“, ließ Mordaschow gestern über seine in Zypern ansässige S-Group Capital Management erklären. Der Russe will mit Tui vor allem das Tourismusgeschäft im eigenen Land ankurbeln.

Für Tui-Vorstandschef Michael Frenzel und Aufsichtsratschef Jürgen Krumnow bedeutet der Zukauf Mordaschows eine deutliche Rückendeckung. Während Fredriksen wiederholt und zuletzt noch vergangene Woche in einem Brief an den Aufsichtsrat dem Tui-Vorstand Missmanagement vorgeworfen und die Ablösung der Chefs von Vorstand und Aufsichtsrat gefordert hatte, machte Mordaschow deutlich, dass er weiterhin hinter Frenzel und Krumnow stehe.

Wie aus Aufsichtsratskreisen zu erfahren ist, hatte der Chef der S-Group, Wladimir Jakuschew, seit Frühjahr Tui-Aufsichtsratsmitglied, bereits in der letzten Sitzung klargemacht, dass der russische Großaktionär sich nicht mit dem Norweger verbünde. Das belegt jetzt auch die Presseerklärung der S-Group. In ihr erklärt Jakuschew, er werde die Kooperation mit Vorstand und Aufsichtsrat fortsetzen und unterstütze die Bestrebungen, „den Fokus der Firma auf das Tourismusgeschäft zu legen“.

Den Anstoß dazu hatte allerdings Anfang dieses Jahres der Großaktionär Fredriksen gegeben. Unter dessen Druck hatte Konzernchef Frenzel eine totale Kehrtwende vollzogen: Er musste Pläne, das Schifffahrtsgeschäft von Hapag-Lloyd zur Absicherung des eher volatilen Reisegeschäfts zu stärken, aufgeben. Seitdem favorisiert Frenzel einen Verkauf der Reederei, die Nummer fünf im weltweiten Container-Transportgeschäft ist. Fredriksen hatte das zunächst akzeptiert, nun aber in den letzten Tagen stattdessen einen „Spin-off“ mit einem Börsengang von Hapag-Lloyd ins Gespräch gebracht.

Seite 1:

Neue Wende im Kampf um Tui

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%