Reisekonzern unter Kostendruck
Analysten glauben nicht mehr an Tui-Prognosen

Am Donnerstag findet die Aufsichtsratssitzung des Reise- und Schifffahrtsunternehmens Tui statt. Trotz nach unten korrigierten Ergebniszielen und kritischer Expertenstimmen werden keine einschneidenden Maßnahmen erwartet – der „große Knall“ wird ausbleiben.

DÜSSELDORF. Wenige Tage vor der mit Spannung erwarteten Aufsichtsratssitzung des Reise- und Schifffahrtskonzerns Tui am kommenden Donnerstag, von der Richtungsentscheidungen über den weiteren Kurs erwartet werden, hat der kriselnde Konzern bei Analysten weiter an Vertrauen verloren. Vor dem Hintergrund anhaltender Spekulationen über nicht mehr zu haltende Gewinnprognosen für das nächste Jahr bestätigten die Banken ihre schon vor einigen Wochen ausgesprochenen Verkaufsempfehlungen für die Aktie und auch ihre zurückhaltenden Kursziele.

Von der Sitzung des Aufsichtsrates erwarten Beobachter allerdings kaum spektakuläre Veränderungen bei der Tui. „Es wird unserer Meinung nach keinen Big Bang geben. Es gibt auch keinen goldenen Weg aus der aktuellen Krise der Touristik“, erklärte HVB-Analyst Christian Obst im Vorfeld der Sitzung. Der Konzern werde seine Ergebnisziele reduzieren und dazu in der Touristik Restrukturierungen planen müssen.

Konzernchef Michael Frenzel hatte in der Vergangenheit für die Touristik bis 2007 stets eine Verdoppelung des operativen Ergebnisses (Ebita) auf 700 Mill. Euro angekündigt. Die HVB erwartet hingegen nach 380 Mill. Euro in diesem Jahr für 2007 nur ein operatives Ziel von 450 bis 500 Mill. Euro. In der Container-Schifffahrt werde sich die Lage erst verbessern, wenn die Frachtraten wieder aus dem Keller kommen.

Ob es beim neuen Tui-Sparkurs zu dem in Presseberichten bereits mit 4 000 Stellen bezifferten Personalabbau kommen werde, ist nach Ansicht von Obst fraglich. Es gebe zwar noch Einsparpotenziale, aber irgendwann gerate ein Dienstleistungskonzern wie die Tui auch an die Substanz. Auch der stellvertretende Tui-Aufsichtsratschef Jan Kahmann, Vorstandsmitglied der Gewerkschaft Verdi, wollte einen geplanten Stellenabbau in der genannten Größe nicht bestätigen. Er forderte vom Vorstand „schlüssige Konzepte“ statt eines „plumpen Arbeitsplatzabbaus“. Nur sozialverträgliche Lösungen ohne betriebsbedingte Kündigungen kämen in Betracht. Würden Stellen einfach nur gestrichen, werde die Qualität des Produktes leiden, sagte Kahmann weiter.

Zu erheblicher Unruhe unter der Belegschaft in Hannover habe die Ankündigung geführt, die Zentralen der Tui und der Tui Deutschland zusammenzuführen, hieß es in konzernnahen Kreisen. Die Mitarbeiter der Tui Deutschland befürchteten, zugunsten der Holding-Zentrale geopfert zu werden. Die Stimmung sei sehr mies.

Seite 1:

Analysten glauben nicht mehr an Tui-Prognosen

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%