Reisemesse ITB
Klimaschutz-Diskussion bewegt Tourismus-Branche

Kein Schnee in den Alpen, Quallenplagen und Waldbrandkatastrophen in überhitzten Mittelmeerregionen – die Szenarien eines Klimawandels werden realer, die Folgen für den Tourismus greifbarer. In den kommenden Jahren wird Klimaschutz eines der zentralen Themen der globale Reiseindustrie sein. Doch die Diskussion darüber trifft die Branche zu einem schlechten Zeitpunkt.

DÜSSELDORF. Auf der Internationalen Tourismus-Börse (ITB) in Berlin, der weltgrößten Superschau der Reisebranche sind für das Thema Klimaschutz auf dem „ITB Future Day“ am heutigen Mittwoch gerade 45 Minuten eingeplant – laut Tagungsplan von 14.15 bis 15 Uhr.

Dabei nennt eine Umfrage des Online-Reisebüros Travelchannel.de alarmierende Fakten. Rund 76 Prozent der Befragten sagten, künftig dorthin zu reisen, wo es angenehm mild ist. In heißer werdende Mittelmeer-Regionen, in denen die Branche ihr Brot- und Butter-Geschäft verdient, würden knapp zwei Drittel nicht mehr reisen. Auch überdachte Skihallen oder Bade- und Freizeitparks lehnen der Untersuchung zufolge über 80 Prozent ab – weil solche künstliche Urlaubswelten nicht umweltverträglich seien.

ITB-Messechef Martin Buck ahnt, was auf die Branche zukommt: „Der Klimaschutz wird in den kommenden Jahren eines der ganz zentralen Themen für die globale Reiseindustrie sein.“ Doch vor der ITB übte sich die Branche lieber in Abwehrschlachten gegen die als populistisch empfundene Klima-Hysterie der Politik.

„Die Forderung, die Deutschen sollten nur noch im Inland Urlaub machen, ist so anmaßend wie realitätsfern“, polterte der Düsseldorfer Reisebüro-Inhaber Klaus Laepple, Doppelpräsident des Deutschen Reiseverbandes und des Bundesverbandes der Deutschen Tourismuswirtschaft. „Statt Reisende zu bevormunden und willkürlich zu schröpfen“, solle die Politik besser ökonomisch und technisch durchdachte Klimaschutzkonzepte fördern, sagte Laepple.

Auch die Fluggesellschaften, von der Politik als Klimakiller gebrandmarkt, befinden sich auf Verteidigungsfeldzug. Die Klimaschutz-Diskussion „macht unbegründet Angst vorm Reisen“, stellte der Bundesverband Deutscher Fluggesellschaften Anfang der Woche fest. Seit längerem wehren sich die Airlines gegen Pläne der EU für einen Emissionshandel im Luftverkehr.

Die Klimaschutzdiskussion trifft die Touristik zu einem schlechten Zeitpunkt. Mit verhaltenem Optimismus geht die Branche in die Sommersaison. Sie lechzt nach besseren Zahlen als im Vorjahr, das im Durchschnitt lediglich einen Umsatzzuwachs von zwei Prozent brachte. Verbandspräsident Laepple setzt auf „Nachholbedarf“ bei der Kundschaft: Vielfach seien im vergangenen Jahr Urlaubsreisen wegen der Fußball-Weltmeisterschaft und zugunsten von Besuchen auf den Fan-Meilen aufgeschoben worden.

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