Reiseveranstalter haftet nicht für Djerba-Anschlag
Tui muss kein Schmerzensgeld zahlen

Das Landgericht Hannover hat die Schadensersatz-Klage eines sechsjährigen Jungen gegen den Reiseveranstalter Tui wegen des Bombenanschlags von Djerba abgewiesen. Reiseveranstalter sind nach dem Urteil nicht für Terroranschläge haftbar.

HB HANNOVER. Für seine schweren Verletzungen bei dem Terroranschlag von Djerba bekommt ein sechsjähriger Junge kein Schmerzensgeld vom weltgrößten Tourismuskonzern Tui. „Das Landgericht Hannover wies am Mittwoch die Schmerzensgeldklage eines sechsjährigen Jungen gegen das zum TUI-Konzern gehörende Unternehmen 1-2-Fly GmbH wegen des Bombenanschlags auf der tunesischen Ferieninsel Djerba zurück. „Das seit dem 11. September 2001 erhöhte Risiko hat sich verwirklicht, als westlicher Tourist Opfer eines terroristischen Anschlags zu werden“, sagte die Vorsitzende Richterin Britta Knüllig-Dingeldey. Die Tui-Tochter 1-2-Fly als Reiseveranstalter habe ihre Pflichten nicht verletzt. Tui begrüßte das Urteil. Adrians Vater kündigte an, in die nächste Instanz zu gehen.

Adrian hatte am 11. April 2002 mit seinen Eltern bei einem Ausflug die Synagoge La Ghriba besucht. Vor dem Gebäude ließen Terroristen einen Tankwagen explodieren. 22 Menschen starben, Adrian erlitt schwerste Verbrennungen an 40 % seiner Haut. Die Espers hatten argumentiert, 1-2-Fly hätte vor möglichen Gefahren in Tunesien warnen müssen. Deshalb forderte die Familie für Adrian 100 000 € Schmerzensgeld und eine monatliche Rente.

Nach Ansicht der Richterin hätte der Reiseveranstalter nur dann gegen seine Aufklärungspflicht verstoßen, wenn er von einer verschärften Sicherheitslage in Tunesien gewusst hätte. Das habe Familie Esper aber nicht beweisen können. 1-2-Fly „konnte sich auf die Sicherheitshinweise des Auswärtigen Amtes verlassen“, meinte Knüllig-Dingeldey. Dieses hatte einen Tag vor dem Anschlag lediglich vor Kleinkriminalität in Touristenhochburgen gewarnt.

„Die Entscheidung des Gerichts entspricht unseren Erwartungen“, sagte Tui-Bereichsvorstand Volker Böttcher. Er kündigte zugleich an, als „humanitäre Geste“ werde der Konzern über eine Tui-eigene Stiftung Ausbildungsversicherungen für alle vom Terroranschlag betroffenen Kinder abschließen. Den sieben Kindern - darunter Adrian Esper - komme dann zu Beginn ihrer Ausbildung eine insgesamt sechsstellige Versicherungssumme zu Gute. Adrians Vater Michael Esper kündigte an, notfalls durch alle Instanzen zu gehen. „Es geht ja gar nicht ums Gewinnen oder Verlieren, es geht nur darum zu beweisen, dass Tui die Informationspflicht verletzt hat“, sagte er.

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