Reiseveranstalter
Hohe Treibstoffpreise lassen Urlaubsreisende kalt

Nach langer Durststrecke wollen die Reiseveranstalter Tui und Thomas Cook 2008 im deutschen Markt mehr Geld verdienen. Dabei setzen die Nummer eins und zwei der Touristik auf die Wiederentdeckung von Pauschalreise und Charterflug. Dahingegen scheint der Höhenflug der Billigflieger aufgrund steigender Kerosinpreise vorzeitig beendet.

DÜSSELDORF. Beide haben in der entscheidenden Sommersaison vor allem bei den Flugkapazitäten das Angebot deutlich zusammengestrichen und müssen nicht mehr so viele Restkapazitäten mit Preisnachlässen verkaufen. Zugleich kündigte Tui am Wochenende an, in der kommenden Saison die Preise für Pauschalreisen anzuheben. Reisen in den Mittelmeerraum verteuern sich demnach um 2,9 Prozent. Buchungen bei eigener Anreise sollen etwa 1,8 Prozent mehr kosten.

Gemeinsam ist den beiden, Europas Nummer eins und zwei der Touristik, dass sie die schon als Auslaufmodell geschmähte Pauschalreise neu entdecken. "Kurzfristgeschäft mit preisaggressiven und flächendeckenden Vermarktungsaktionen gibt es in diesem Jahr kaum", sagte Tui-Deutschland-Chef Volker Böttcher dem Handelsblatt. Im deutschen Ferienfluggeschäft seien im Sommer rund eine Million weniger Flugsitze angeboten worden, drei Viertel davon bei der Konzern-Airline Tuifly. "Das hat zu einer spürbaren Verringerung von Schnäppchenangeboten geführt und den Verkauf des normalen Kataloggeschäfts beflügelt", sagte Böttcher.

Gleichzeitig erlebe der Charterflug ein Comeback, denn durch die steigenden Kerosinpreise sei "der Höhenflug der Billigflieger zumindest vorerst beendet". Viele Kunden hätten die Erfahrung machen müssen, dass sie in den Hauptferienzeiten vergeblich auf Lockvogel-Angebote der Low-Cost-Flieger warteten.

Zudem fielen in den Kalkulationen kompletter Pauschalreisen Treibstoffzuschläge nicht so ins Gewicht und würden deshalb vom Kunden eher akzeptiert. Die Mehrkosten für den Flug in die Ferien hätten bislang "nullkommanull Auswirkungen" auf das Buchungsverhalten - genauso wie die steigenden Benzinpreise bisher kaum jemanden vom Deutschland-Urlaub mit individueller PKW-Anreise abhalte.

Auch Wettbewerber Thomas Cook, im deutschen Markt vor allem mit Neckermann Reisen präsent, hatte kürzlich erklärt, die Reduzierung des Katalogangebots habe dazu geführt, dass im Markt Kontinentaleuropa die Buchungen derzeit um zwei und die durchschnittlichen Verkaufspreise um drei Prozent über denen von 2007 lägen. "Das Kapazitätsmanagement hat sehr gut funktioniert", sagte ein Sprecher der deutschen Thomas Cook AG.

Die Tui, wie Cook als britische Aktiengesellschaft an der Londoner Börse notiert, durfte keine neuen Zahlen nennen, hatte aber im Mai bereits von vier Prozent Umsatzwachstum gesprochen.

Problematisch ist für beide Konzerne das teure Fluggeschäft, das ihnen die in der Touristik ohnehin bescheidenen Margen drückt. Die Versuche von Tui und Thomas Cook, dieses Geschäft aus den Bilanzen zu bekommen, sind derzeit wenig erfolgreich: Tui verhandelt seit Monaten ergebnislos mit Lufthansa über ein Zusammengehen mit dem Lufthansa-Low-Cost-Ableger Germanwings. Und Thomas Cook-Chef Manny Fontenla-Novoa erklärte vor zwei Wochen, dass die Fusionspläne zwischen der Flugtochter Condor und Air Berlin auf der Kippe stehen.

Zuwachsraten erzielt die Tui laut Böttcher vor allem im höherwertigen Angebot. Die Produktlinie Tui Premium mit Edel-Pauschalreisen habe im Jahresvergleich um dreizehn Prozent zugenommen und mache jetzt bereits ein Zehntel des Umsatzes der Marke Tui aus.

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